Montag, 9. Januar 2012

Australia 2.0 - Eighth Week - 02/01/2012 - 08/01/2012 - Sydney - Springbrook National Park

02/01/2012 MONTAG

Mitten in der Nacht holte uns der Wecker aus dem nur vierstündigen Schlaf. Ich für meinen Teil hatte gar keine Lust meinen Po in die Senkrechte zu bewegen. Apropos Po, der tat immer noch höllisch weh und ich konnte meine Sitzknochen oder wie die Dinger heißen, deutlich spüren. Irgendwie quälten wir uns dann doch raus und fuhren die restlichen Kilometer hoch nach Katoomba. Morgens um 5.00 Uhr war hier noch gar nichts los und oben in Katoomba bei den „Three Sisters“ angekommen war ich froh, mich gleich wieder in die Waagerechte legen zu können.

Die „Drei Schwestern“ sind natürlich nicht irgendwelche drei hübschen Torten, mit denen sich Müscha in der Frühe treffen wollte, sondern eine Felsformation, die sich über den Baumwipfeln der Blue Mountains erhebt. Und die Blue Mountains sind ein Gebirge, das sich vor den Toren Sydneys erstreckt. Hier findet man herrliche Ausblicke über die Wälder, Wanderwege und viele Vogelarten, die überall rumhüpfen und -piepen. Und die "Drei Schwestern" wollte Müscha bei Sonnenaufgang mal ins rechte Licht rücken. Ich rückte mich derweil, wie schon bereits erwähnt, auf der Matratze noch einmal in eine bequeme Position.

Als Müscha wieder kam, berichtete er mir, dass er nicht der einzige Fotograf vor Ort und noch fünf weitere Touristen vor Ort waren. Viele Asiaten. Und eine Asiatin stand direkt neben ihm. Eigentlich nicht weiter schlimm, aber als ich hörte, was Müscha da berichtete, wurde mir kurzzeitig dann doch ein wenig übel. Die Asiatian hatte doch tatsächlich neben meinem Müscha einen lautstark fahren lassen. Bei allem Respekt für Kultur, aber das geht ja nun wirklich ein wenig zu weit.
Für einen kurzen Moment dachte Müscha auch darüber nach zu kontern (und wir wissen, dass wäre eines seiner leichtesten Übungen gewesen), ließ es aber, weil er ja über Anstand verfügt. Sehr merkwürdig wie manche Kulturen drauf sind. Auf diesen Schock krabbelte Müscha wieder neben mich und wir schlummerten noch ein wenig.

Gegen 9.00 Uhr positionierten wir uns wieder in die Senkrechte und liefen in die Touristeninformation. Wir hatten gehofft, hier ein paar Informationen über ein paar Wanderwege zu bekommen. Leider war die Ausbeute dürftig und so gingen wir mit leeren Händen wieder heraus. Aber Bockwurst Lane und Trucker Müscha würden schon den richtigen Weg einschlagen. Und ansonsten immer den Massen hinterher.

Derweil hatte sich nämlich der Vorplatz der Three Sisters so dermaßen gefüllt, dass Massen von Touristen umher sprangen und große Reisebusse vorfuhren und immer wieder für Nachschub sorgten. Überwiegend Asiaten. Also das Pupsvölkchen. Hoffentlich pupsen die nicht alle gleichzeitg, nicht, dass da noch eine Pupsbombe hochgeht, obwohl sich jemand nur eine Zigarette anzünden wollte.

Und irgendwie bekamen wir das Gefühl von einem Extrem ins nächste zu fallen. Entweder waren die Städte komplett ausgestorben oder total überfüllt wie jetzt.
Für uns waren es zu dieser Tageszeit eindeutig zu viele Menschen und so entronnen wir für´s erste den Massen und frühstückten in einer lauschigen Ecke.

Kurze Zeit später war´s mit unserem lauschigen Plätzchen auch erledigt und immer mehr Autos parkten um uns herum. Das ging hier zu wie in einem Taubenschlag und Müscha und ich verstanden die Welt nicht mehr.

Die Blue Mountains schienen bei den Touristen allseits beliebtes Reiseziel in den Ferien zu sein. Naja, vielleicht verständlich. Ganz schön war´s ja hier, wenn man sich die vielen Menschen wegdachte.
Naja, was soll´s, wir mischten uns mit unter die Leute und das, was wir erlebten war einfach nur krass. Zu einem Lookout unterhalb der „Thress Sisters“ mussten wir uns regelrecht quetschen.

Die Wanderwege sind teilweise nur wenige Meter breit, so dass teilweise kein Durchkommen mehr war. Zum Lookout ging´s dann auch noch eine Naturtreppe runter, wo maximal ein Menschlein hoch oder runterlaufen konnte, so dass entweder von oben oder von unterhalb der Verkehr stockte. Tja und wenn du dann so nen "Pupser" vor dir hast: „Halleluja!“
Wir quälten uns die trotzdem die Stufen nach unten und auch wieder nach oben. Wobei das Anstrengende nicht körperliche Betätigung war, sondern eher diese Massenveranstaltung.

Während wir wieder nach oben kraxelten und herunter kommende Menschen Vortritt gewährten und warten mussten, schlug mein Kopf ordentliche Kapriolen und ich hatte ordentliches Kopfkino. Ich beobachtete die Touristen und tausende von Fragen schossen mir durch den Kopf. Die Australier verbieten ja so ziemlich alles, was Spaß macht. Besonders in der Öffentlichkeit. Untrainierte Touristen mit schlechtem bis hoch gefährlichem Schuhwerk (Flipp Flopps) oder sogar Barfuß eine steile Treppe hinab- und wieder hochsteigen lassen, das ist dann total in Ordnung.

Ich hörte es neben mir nur knacksen und plumsen. Körperspannung verfügten hier die meisten wohl nicht und wahrscheinlich war das der erste " Sport" nach hundert Jahren. Um Gottes Willen, ich möchte hier nicht urteilen, wie viel Sport jeder machen wollte oder nicht. Aber ein Hinweisschild wie steil es in die Tiefe geht oder dass man dazu verpflichtet ist adäquates Schuhwerk anzuziehen, wäre doch nicht zu viel verlangt. Einige überschätzten sich da glaube ich ungemein, denn auch trainiert kam ich gut ins Schwitzen. Aber egal, das Gefährliche ist einfach die Hitze, die das Ganze doppelt anstrengend macht. Also liebe Aussies, wie wäre es denn mal mit einem neuen Schild. „Flip Flops verboten“ oder „Zutritt für Asiaten nur mit Kohlefaserunterwäsche“ oder soähnlich?

Oben wieder angekommen, suchten wir schnell das Weite und hofften den Massen entrinnen zu können. Doch egal, wo wir an unserem heutigen Tag noch hinkamen, überall wimmelte es von Touristen und Müscha und ich fühlten sich nicht grade wohl.
Aber jetzt waren wir in diesem Hexenkessel gefangen und nicht viele Alternativen.

Gegen Nachmittag fuhren wir in das ein wenig tiefer gelegene Leura. Auch hier gibt es wunderschöne Wanderwege, Wasserfälle und Aussichtspunkte. Bei der Leura Cascades Picknick Area machten wir uns zu einem weiteren Marsch auf. Auch hier wimmelte es von Touristen, die sich wie Ameisen ihren Weg durchs Unterholz schlugen.
Weil wir eine kleine Abzweigung zu den Gordon Falls einschlugen, konnten wir die meisten abhängen und waren wenigstens für die nächste halbe Stunde alleine. So konnten wir endlich der herrlichen Geräuschkulisse wie dem Rauschen der Bäume, den Vögeln oder den Wasserfällen lauschen. Unserer Pfad führte uns zu einem Aussichtspunkt, wo wir eine tolle Aussicht über die Wälder und den Wasserfall hatten.

Doch kaum bogen wir wieder auf den "Hauptpfad" war´s mit den herrlichen Geräuschen vorbei und stimmendurchwachsener Menschwall wälzte sich hier durch. Ja, manchmal wäre Klappe halten echt schön. Wieder zurück an der Picknick Area spürten wir die zwei Märsche durchaus in unseren Knochen. Besonders durch das Stufen hinunter- und raufsteigen. Also gab´s jetzt auch für uns erst einmal eine kleine Stärkung.

Am Gordon Falls Reserve machten wir uns zu Wanderung Nummer drei auf, wo bei ich für meinen Teil echt genug vom Laufen hatte. Ich war eh schon begeistert, dass ich noch nicht komplett nörgelnd in irgend einer Ecke stand und rebellierte. Wer mich kennt, dürfte wissen, dass ich zwar gern für eine Laufrunde zu haben bin, das "Spatzen rasieren" aber nur teilweise auf Begeisterung bei mir schlägt. Als wir dann zur vierten Runde aufbrechen wollte, streikte ich und blieb im Auto. Ich hatte genug vom Klettern, Treppensteigen und dem umhergelatsche. Zumal die Entfernungs-beschreibungen auch fürn Arsch waren. Ich bin ja in Geometrie echt ne Nilpe, aber wie viel ungefähr 300 Meter sind, kann ich schon beurteilen. Und für heute waren wir mit Sicherheit schon knapp 10 Kilometer gelaufen und nicht nur, wenn´s nach der Beschilderung ging 2 Kilometer.

Während Müscha sich also zu einem weiteren Abstieg wagte, hielt ich ein Pläuschchen mit ein paar Australiern aus Brisbane. Die zwei meinten auch, dass ich da unten nichts verpassen würde und so konnte ich ruhigen Gewissens beim Auto auf Müscha warten.
Während ich komplett durchgeschwitzt war und das Ende dieser Wandertour kaum erwarten konnte, wollte Müscha jetzt noch zum Sublime Point. Ein Lookout, wo man auch einen ganz hervorragenden Blick über die Blue Mountains bekommen soll. Doch hier streikte ich schon im Vorfeld und stieg erst gar nicht mehr aus dem Auto. Lanchen war kaputt gespielt oder hätte mal eine Stulle mehr essen sollen.

Am Abend fuhren wir wieder hoch nach Katoomba zu den Three Sisters. Müscha konnte sich von den Steinigen Mädels irgendwie noch nicht losreißen. Scheinbar war der erste Flirtversuch heute morgen noch nicht so gefruchtet und er versprach sich bei Sonnenuntergang mehr Hoffnungen.

Unseren Schlafplatz schlugen wir in Wentworth Falls bei den gleichnamigen Wentworth Falls auf. Da hier noch viele weitere Camper standen, fühlten wir uns relativ sicher und waren in der Annahme, dass uns hier nichts passieren würde. Nur früh aufstehen sollten wir. Nicht, dass uns die Asiaten beim Frühstücken auf die Teller pupsen konnten.


03/01/2012 DIENSTAG

Wie zu erwarten, blieb die Nacht und der Morgen völlig entspannt und kein Ranger ging hier auf Camperjagd. Also frühstückten wir ganz entspannt und ließen uns von den Flattertieren ein Liedchen zwischern. Der liebe "Elektrovogel" war auch dabei und ich freute mich wie ein kleiner Kullerkeks. So wird man doch gerne aus dem Schlaf gepiepst.

Während wir da so in unseren Campingstühlen saßen, fiel uns auf, dass es sich auch in Wentworth Falls langsam füllte. Anfangs dachten wir, dass hier wenigstens keine Reisebusse raus gelassen werden, aber Punkt 9.00 Uhr rollte der erste in die Einfahrt und trippel trappel, sprangen die kleinen Touristen aus. „Oh mann, bloß schnell weg!“, dachte ich mir. Noch so ein Tag und ich bekomme Alpträume.

Also schnell noch den Kaffee weggeschlürft, in eine passable Hose, festes Schuhwerk an und ab Wasserfälle gucken, bevor hier die nächsten Busse ankommen.
Eigentlich wollte ich vor unserem Spaziergang die Keramikabteilung besuchen, denn ich musste sehr dringend Pipi. Ich konnte ja nach dem Aufstehen nicht mal in den nächsten Busch. Dafür war es schon eindeutig zu voll. Leider waren aber die Toiletten geschlossen, warum auch immer. Na toll, das kann ich ja leiden. Mit einer vollen Blase laufen und wohl möglich schon wieder Treppauf und Treppab.

Nachdem Müscha und ich uns den Ausblick auf die Wasserfälle von oben angeguckt hatten, entdeckten wir weitere Lookouts. Und weil die nicht weit weg waren, ließ ich mich breitschlagen und wir stapften wieder los. Ich schon mit einem leicht Schmerz verzehrterem Gesicht, weil ich immer dringender musste. Und mal eben in den Busch ging nicht, weil zu viele Zuschauer.
Naja, gleich würden wir wieder beim Auto sein und zu einer Toilette fahren, dachte ich mir. Doch es kam wie es kommen musste, aus einem "Wir sind gleich wieder beim Auto" wurde mit Sicherheit eine Stunde Fußmarsch. Und warum, dank Beschilderung. Als wir beim zweiten Lookout noch einmal abbogen und dann auf ein Schild trafen mit "Carpark rechts", gingen wir davon aus, den kürzesten Weg einzuschlagen. Aber denkste! Jetzt liefen wir schon 20 Minuten durch Matsch und Geröll und ich musste tierisch Pieschern. Doch ein Gutes hatte die Sache. Zum einen war der Pfad wunderschön, abgesehen von den suboptimalen Verhältnissen des Weges, und zum anderen, war hier keine Sau unterwegs und wir begegneten niemandem, außer ein paar Spinnen.

Trotzdem konnte ich meiner Blase nicht Platz verschaffen und so sah mein Gesicht teilweise schon etwas schmerzverzehrt aus. Als wir nach ca. einer Stunde wieder am Parkplatz waren und ich einen neuen Versuch bei den Toiletten startete, wurde es nicht grade entspannter, denn ich las immer noch das Schild mit „Toilettes are closed“. Grrrr...da kann einem ja die beste Laune vermiest werden.

Naja, trotzdem hatte sich der einstündige Umweg gelohnt, auch wenn das im Vorfeld anders gedacht war.
Nun ging´s nach Glenbrook, das letzte kleine Städtchen, das an die Blue Mountains grenzt. Hier hatten wir ein paar Anlaufpunkte, jedoch sagten diese uns nicht mehr so zu. Wahrscheinlich waren wir aber auch von den anderen Eindrücken gut überflutet, so dass wir entschlossen, es bei der Besichtigungstour der Blue Mountains zu belassen.

So kam nun das letzte Stück unserer Reise. Auf Richtung Norden, nach old good Brisbane. Natürlich versuchten wir nicht den gleichen Weg wie schon vor 2 Jahren einzuschlagen, so dass wir jetzt fast schon ein wenig überlegen mussten, wo wir uns lang schicken wollten, um neue Plätze zu entdecken. So peilten wir für heute erst einmal Newcastle an. Die drittgrößte Stadt in New South Wales.

Nachdem wir den Highway hinter uns gelassen hatten, führte uns unser Weg in eine tolle Gegend. Wir fuhren auf einer Alternativroute, den Pacific Touristdrive, über´s fruchtbare Hinterland an Feldern, üppigen Wiesen und einer Vielzahl von wunderschönen Blumen entlang. Zwar waren die Straßenverhältnisse mal wieder bombe -Schlagbombe, aber das nahmen wir in Kauf, denn die Strecke war tausend mal interessanter als der Highway. Außerdem konnten wir unseren Frucht- und Gemüsehaushalt für grade einmal 5.50 Dollar aufbessern. So dass wir dafür 5 Gurken bekamen, eine rote Beete, 2,5 Kilo Pflaumen, 2 Riesenzucchini und 2,5 Kilo Tomaten. Das ist doch mal ein guter Preis und teilweise sogar Bio.

In Belmont, ca. 25 Kilometer vor Newcastle machten wir stopp. Irgendwie fanden wir es hier ganz lauschig und wahrscheinlich würde es hier einfacher sein, ein Schlafplätzchen zu finden, als in einer Großstadt wie Newcastle.
Also blieben wir hier, schnappten uns später in der Dunkelheit eine Outdoordusche, die einen ganz schmofften Duschkopf hatte. Ja, auch so ein Duschkopf kann beachtung finden. Denn dieser verteilte das Wasser auf eine angenehme Art und Weise auf dem Körper. Das Wasser plätscherte nicht unsanft aus dem Hahn heraus, sondern wurde in tausende tropfen versprüht, die sich auf der Haut sehr wohlig anfühlten. Und sogar Müscha war begeistert, auch wenn aus dem Duschkopf nur kaltes Wasser heraussprühte.

Abends suchten wir uns in einer Seitenstraße bei einem Park ein Schlafplätzchen, holten für Müscha noch eine Pizza bei Dominos, schließlich war heute Dienstag – Pizzatag – und schwupps war auch dieser Tag vorüber.


04/04/2012 MITTWOCH

Heute setzten wir unsere Reise nach Newcastle fort. Das Frühstück vertagten wir auf etwas später, weil wir beide noch nicht wirklich Hunger hatten. Und in Newcastle würde es sicherlich ein schönes Plätzchen am Strand geben. Wenig später rollten wir auch schon in der Stadt ein. Newcastle ist mit ein paar schönen Stränden bestückt und verfügt sogar über das älteste Schwimmbad Australiens. Das coole, dieses Schwimmbad ist ähnlich wie in Shellharbour gleich neben dem Meer. Und man hat die Auswahl, ob man mit den Haien oder doch nur mit den anderen Schwimmern planschen möchte.

Wir fuhren die Küstenstraße entlang und mussten feststellen, dass schon um diese frühe Uhrzeit die Strände aus allen Nähten platzten. Oh mann, willkommen in der Ferienzeit. Zwar langen die Leute noch nicht wie die Ölsardinen aneinander gereiht, aber spätestens in ein paar weiteren Stunden war hier kein Plätzchen mehr zu finden.
Für Müschas und meinen Geschmack ja nun so gar nichts. Jaa..., mittlerweile sind wir eher zwei kleine Einsiedler und meiden den Kontakt zu Menschenmassen. Da bekommen wir schon Beklemmungen, wenn ein anderer Camper zu dicht neben uns parkt.

Nachdem wir den Küstenstreifen mit den Stränden und Schwimmbecken in Augenschein nahmen, fuhren wir in die Stadt und versorgten uns mit Infomaterial. Bei einem Frühstück in einem kleinen Park, der alles andere als lauschig war (hier stank es, teilweise dreckig und irgendwie unromantisch), begutachteten wir das Karten- und Infomaterial und heckten einen Plan aus, was wir in Newcastle so anstellen könnten.

Zuerst wollten wir ein wenig durch die Stadt bummeln. Die Derby Street, sollte dafür wie geschaffen sein, denn angeblich sollte man hier gute Galerien und Geschäfte zum shoppen finden. Das hörte sich doch gut an. Schön ein wenig Schlendern während die anderen in der Bullenhitze (35 Grad) am Strand verkohlten. Doch schon als wir um die Ecke in die Derby Street bogen, war uns klar, unser Bummel würde sich auf wahrscheinlich eine halbe Stunde verkürzen. Denn zum einen war die Straße nicht sonderlich lang, noch war hier fiel los und besonders viele Geschäfte gab´s jetzt auch nicht.

Sicherlich hätten wir hier ganz gut Essen können, denn ein Restaurant nach dem anderen war hier zu finden, doch wir beide hatten ja gerade erst gegessen. Ein paar Geschäfte und eine Galerie weiter, bogen wir dann doch wieder in die Straße zu unserem Fucy ein und mussten uns nun einen Plan B überlegen. Nach unserem Bummeln dachten wir daran, die alten Schwimmbäder zu besuchen, aber dafür war es jetzt noch ein wenig früh. Dementsprechend zu heiß und viel zu voll.

Doch schnell fiel uns was neues ein. So ging es kurz zu McDonalds und danach in ein Shoppingcenter, um ein paar Postkarten zu drucken und ein paar Besorgungen zu machen. Lustigerweise war unser Besuch beim Big W wieder ein voller Erfolg. Nicht, dass wir danach wieder schöne Postkarten in den Händen hielten. Nein, auch wir zwei Quatschköppe kamen wieder auf unsere Kosten und so konnte wieder viel bunte Knete aus unseren Köpfen mit der Kamera festgehalten werden.

Ich weiß nicht, ob wir uns so daneben benahmen, aber als wir ein paar Fotos von Riesenschokoladen mit mir aufnahmen, kam doch echt ein Security an. Beim ersten Mal dachte er, Müscha würde einfach so die Regale fotografieren, was wohl nicht gestattet sei. Scheinbar hatte der Gute mich übersehen. Er entschuldigte sich auch gleich. Wenig später kam er aber ein weiteres Mal und forderte uns auf, das fotografieren einzustellen. Offenbar war es ihm total unangenehm uns das sagen zu müssen und er wunderte sich auch darüber, warum eigentlich, aber Anweisung von "Oben".

Schade, da macht die Runde im Big W gar nicht mehr so viel Spaß. Naja, die Wartezeit auf unsere Postkarten war eh gleich vorüber, so dass wir nicht lange Däumchen drehten.
Unterdessen hatte es draußen angefangen zu regnen. Für Müscha, der die Schwimmbäder am Abend noch in Szene setzen wollte, etwas doof. Aber sicherlich würde es eh gleich wieder aufhören.

Und so war´s. Also fuhr Familie Schmatz jetzt zum Newcastle Beach, wo sich auch gleich die Seebäder befinden. Nach einem kleinen Imbiss spazierten wir runter zu den alten Seebädern. Ich für meinen Teil setzte mich neben das alte Becken auf die Tribüne oder Stufen, die das Becken ringsum einschlossen. Während Müscha um das Becken hoppste, beobachtete ich die Schwimmer und schrieb an meinem Blog.

Schon urig hier. Das 1922 von Häftlingen erbaute Becken hatte schon was uriges. Einen gewissen Charme, auch wenn der ein oder andere Ziegel nicht mehr so hübsch anzusehen und alles etwas baureif ist, ist das ganze sehr kultig. Fast ein wenig wie in den Sixties. Fehlten nur noch die Schwimmer mit ihren Gummibadekappen. Die sind wohl in der Versenkung verschwunden, dafür ziehen hier immer noch Schwimmer ihre Bahnen und überall tollen quietschenderweise Kinder umher.

Müscha entdeckte immer wieder neue Sachen zum fotografieren, so dass ich derweil die 35 Grad unter der Dusche abspülen ging. Mensch, das war echt heiß heute. Als wir uns beide am Auto wieder trafen, erzählte mir Müscha riesige Flippers im Wasser gesehen zu haben. Er war jedoch von der Größe der Tümmler so erschrocken, dass er erstarrt stehen blieb als auf den Auslöser zu drücken. Wie im ein Australier mitteilte, waren es wohl wirklich ungewöhnlich große Exemplare. Manno während ich also mit meinem Duschgel schwamm, hatte Müscha schon wieder was erlebt. Naja, ich gönn´s ihm ja. Schade nur, dass er kein Beweisbild ergattern konnte.

Als wir beide frisch geduscht wieder im Auto saßen, fuhren wir jetzt noch eine kleine Runde Auto. Newcastle war zwar ein ganz nettes Städtchen, aber derzeit einfach zu voll. Also nächste Station. Dank Infomaterial hatten wir jetzt eine Idee für den kommenden zwei Tage. Zwischen Hawks Nest und Forsters befindet sich der Myall Lakes National Park. Wie aus dem Namen zu erahnen, gibt es hier viele kleine Seen. Ein Gebiet, wo man auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite die Seen zum schwimmen einladen.

Wir wollten heute noch nach Hawks Nest fahren. Rund 88 Kilometer. Es war zwar schon spät, aber da wir uns ja nicht mehr im Outback befinden, können wir hier auch nach Einbruch der Dunkelheit Autofahren. Hier ist ja um einiges mehr auf den Straßen los. Die Gefahr ein armes Känguru zu treffen, sollte demnach relativ gering sein. Denn die trauen sich ja auch nur raus, wenn nichts los ist.

Innerhalb von einer Stunde ritten wir in Hawks Nest ein und verkrümelten uns in die hinterste Ecke am Strand. Mit uns stand noch ein weiterer Camper hier. Also wieder ein gutes Zeichen, dass nichts passieren würde. Während Nachbars noch am Feuer saßen und vielleicht sogar um das selbige herum sprangen, machten wir uns ein kleines Abendessen und schliefen später gut ein.


05/01/2012 DONNERSTAG

Heute sollte es also durch die New South Wales´er Seenplatte gehen. Sicherlich ähnlich wie bei uns zu Hause. Also kein Grund zur Aufregung. Hihi! Nach dem Frühstück zuckelten wir erst einmal in eine Touristeninformationen, um besseres Kartenmaterial zu ergattern. Unsere Karte aus dem Lonely Planet war ein wenig dürftig und Ken war auch ein wenig überfordert.

Gut ausgestattet, holperten wir Richtung Bulahdelah. Eine wunderschöne Gegend. Immer durch den Busch mit herrlichem Piepmätzen, die vor sich hersangen., immer entlang am Myall River. Am Bombay Point setzten wir mit einer kleinen Fähre über selbigen auch über. Komische Namen hatte die sich hier für die Orte wieder ausgedacht. Hörte sich alles irgendwie indisch an und nicht grade englisch oder australisch. Na wer weiß, welcher Entdecker da wieder hinter steckt.

Hinter Bulahdelah wurde die Fahrt immer schöner und wir machten am Myall Lake in Neranie ein kleines Picknick. Hier war es wesentlich leerer als in Newcastle zuvor. Zumal uns auffiel, dass hier eher Australier als Touristen unterwegs waren. Wir mit unserem Camper fielen daher fast ein wenig auf. Hier am See herrschte eine ausgelassene Stimmung. Vor uns fuhren zwei Motorboote auf und ab. Ein paar Jungs hatten sich ein Surfbrett geschnappt, eine Leine mit einer Hantel hinter ihr Boot geknüpft und ließen sich jeweils vom anderen durch´s Wasser ziehen. Und das, obwohl es sehr oldschoolmäßig aussah, sehr gekonnt.
Das andere Boot zog zuerst ein kleines Mädchen mit Wasserskiern und später einen Jungen auf einem Wakeboard. Leider hatte der nicht so viel Erfolg und kam leider nicht aus dem Wasser. Immer wieder spitzelte er mit dem Brett beim Start ins Wasser und das Seil schnippste ihm weg. Der Arme.

Nachdem wir genug pausierten, setzten wir uns wieder in Bewegung. Entlang am Smiths Lake, einer kleinen Stadt Namens Pacific Palm und am Wallis Lake. Nachdem wir an der Küstenfront uns die Strände angeguckt hatten, schnappten wir uns eine Dusche am Elisabeth Beach. In weiser Voraussicht, nicht unbedingt so schnell eine weitere für den heutigen Tag zu ergattern.

In Green Point am Wallis Lake beendeten wir den Tag für heute und stellten den Fucy an einer einsamen kleinen Bucht mit Schiffchen ab. Hier waren wir abgeschirmt vom "Punk" der an den Stränden der Küstenfront herrschte. Während wir hier unser Lager aufschlugen, beobachteten wir drei Pelikane, die relativ schlau waren und versuchten, sich den Fisch aus den Netzten der Angler zu moppsen. Gekonnt schnappte sie im Netz herum und schafften es doch wirklich sich ein paar Fische daraus zu klauen. Ich wusste gar nicht wie intelligent doch Tiere sein können.

Zeitig verdünnisierten wir uns in die Camperfedern und schliefen in unserem Camper am See ein.


06/01/2012 FREITAG

Und am Ende der Straße steht unser Camper am See, wir haben gut geschlafen und kein Ranger kam um´s Karreé.“ (Mit der Melodie von „Haus am See von Peter Fox holperts auch nicht so... ;-)).
Ganz ruhig war die Nacht und unser Camper schaukelte leicht im Wind bei Mondschein vorm See. Genauso gut schliefen wir. Trotzdem beendeten wir die Nachtruhe wieder etwas zeitiger. Wir wollten zum Strand, um Fotos zu machen. Und da heißt´s immer wieder: „Morgenstund hat Gold im Mund!“

Erst gegen 9.00 Uhr standen wir vorm Camper und hatten genug vom fotografieren. Ich für meinen Teil sah aus wie ein begossener Pudel, der sich mit einem Sandmann geprügelt hatte. In allen Körperöffnungen, auch in denen, die ich bis dahin noch nicht kannte, blubberte entweder Wasser oder ich holte ne Schippe Sand hervor.

Wir hatten ein bisschen herum getobt und eine dicke Welle hatte mich erwischt. So sehr, dass sie mich einmal komplett unterspülte und mir den Sand in sämtliche Körperöffnungen schoss. Ganz klar, unsere nächste Station war jetzt erst einmal eine Dusche, in der Hoffnung den Sand los zu werden.
Für´s erste tat die Dusche auch gut, doch noch Stunden später holte ich immer wieder aus Ohren und Nase Sand. Bääh...!

Der Great Lake Way sollte für den heutigen Tag in Forsters zu Ende gehen und nun kamen wir Brisbane immer näher. Aber wie kann man besser dahin schwelgen und es einem wehmütig um´s Herz werden lassen. Genau bei einem Frühstück mit Blick auf´s Meer. So mumpelten wir zur Feier des Tages Pancakes mit Ahornsirup und blickten dabei auf den Ozean, in dem sich sogar ein paar Delphine direkt vor unserer Nase tummelten. Ach mensch.

Von Forsters aus ging´s jetzt immer den Pacific Highway entlang. Für heute wollten wir mindestens nach Grafton kommen. Also lagen noch ein paar Kilometerchen vor uns. Aber auch das würden wir locker schaffen, denn es war ja gerade einmal 13.00 Uhr. Mit einer Geschwindigkeit von unglaublichen 80 km/h tuckerten wir vor uns hin und es schien, als würden wir versuchen, so langsam wie möglich dem Ziel entgegen zu fahren.

Aber auch bei diesem Schneckentempo kommt man irgendwann mal an und so standen wir gegen 17.00 Uhr vor den Toren Coff Harbours. Dieses kleine Nest war uns wohl bekannt, denn schon 2009 hatten wir hier einen kleinen Abstecher gemacht.
Müscha und ich bogen in Richtung Hafen ab und bemerkten, dass hier ganz schön viel los war. In der Nähe eines Restaurants lag der Duft von Fish and Chips in der Luft, dem Müscha sichtlich unterlag. So schnell ihm das Wasser im Munde zusammen lief, so schnell spurtete er auch los, um sich eine Portion zu kaufen.

Nachdem Müscha aufgegessen hatte, fuhren wir los, um uns einen hübschen Schlafplatz zu organisieren. In Sandy Beach wurden wir fündig. Ich hoffte nur, dass der Name des Ortes hier nicht "Programm" sein würde, denn von Sand hatte ich heute die Nase gestrichen voll. Und auch in diesem Satz stecken wahren Worte, denn noch immer popelte ich mir Sankörner aus Nase und Ohren. Herrlich!

An einer Rest Area direkt neben dem Strand stellten wir den Fucy ab und ich machte uns wie jeden Abend ein kleines Abendessen. Auch Müscha bekam noch einmal Nachschlag, auch wenn er grade gegessen hatte. Aber setz ihm was vor die Nase und er isst es. Außerdem muss der "Dicke" wieder etwas auf gepeppelt werden. Denn der "Dicke" ist ein wenig kleiner auf unserer Reise geworden. Also hau rein Müscha.


07/01/2012 SAMSTAG

Auch wenn heute Samstag war, verzichteten wir erst einmal auf ein Frühstück nach dem Aufstehen und rollten gleich mit unserem Fucy los. Irgendwie war uns nicht nach Frühstücken zu Mute und richtig Hunger hatten wir auch nicht. Auweia, Müscha und Lane werden immer wehmütiger um´s Herzchen. Schnief.

Heute wollten wir erst Nimbin, ein kleines Kifferstädtchen, und dann Byron Bay besuchen. Wir rollten abgelegen vom Highway durch die Landschaft und machten an einem kleines See am späten Vormittag Halt, um dort in aller Ruhe zu frühstücken.

Ein sehr lauschiges Plätzchen, das ganz zu unserer Stimmung passte. Etwas melancholisch verträumt. Mit Blick auf den See und den Erinnerungen im Herzen blickten wir schweigend in der Gegend umher und versuchten so gut es ging dabei unser Frühstück zu genießen.

Jetzt ging´s weiter nach Nimbin. Die Landschaft hatte sich schon wieder sehr verändert und wir fuhren inmitten von Regenwald. Landschaftlich ganz großes Kino. Nimbin musste etwas oberhalb liegen, denn wir zirkelten uns serpentinenartig eine, meines Erachtens, viel zu schmale Straße den Berg hoch. Oben in Nimbin angekommen, erwartete uns ein scheinbar in den 68ern hängen gebliebenes Nest. Ich geh ja auch gerne gegen den Strom und mag´s bunt, aber für meinen Geschmack war das hier irgendwie dann doch "too much". Alles wirkte ein wenig schmuddelig und übertrieben "locker". Dabei versprühte die kleine Stadt aber irgendwie keine Atmosphäre. Auf mich sprang der Funke jedoch nicht über und wenn Müscha vor Begeisterung durchdrehte, dann hätte er es spätestens jetzt seinem Gesicht sagen sollen.

Wir stellten Fucy ab und drehten eine Runde die Hauptstraße hoch und wieder runter. Aber außer, dass uns Dope angeboten wurde, passierte hier irgendwie so richtig nichts. Es schien als hätte sich Nimbin ein wenig den Charme weggekifft. Tja, so war das ein relativ kurzes Intermezzo, denn wir stiegen nach zehn Minuten wieder ins Auto und zuckelten weiter nach Byron Bay.

Wie vorher bereits erwähnt, hatten wir uns ja einen Berg hoch gekämpft, so konnten wir uns jetzt wieder runter rollen lassen. Und das taten wir im Wahrsten Sinne des Wortes. Da eine Senke der nächsten folgte, hatten wir genau den richtigen Schwung, um den nächsten Hügel hoch zu sausen, um dann oben wieder ordentlich Fahrt drauf zu bekommen. Super, so macht Autofahren Spaß und wenn man dann noch so eine herrliche Landschaft hat doppelt schön.

Am späten Nachmittag landeten wir in Byron Bay und hier war es ganz schön voll. Überall wuselten Menschen herum und es gab kaum ein freies Plätzchen, egal ob auf den Straßen oder am Strand. Als wir nach langem Suchen einen Parkplatz gefunden hatten, schlenderten wir ein wenig an der Strandpromenade lang. In einem Restaurant am Strand fand grade eine Hochzeit statt und es war lustig zu sehen, dass Flip Flops in Australien auch hochzeitstauglich sind. Viele der Gäste, hauptsächlich jedoch Männer, trugen echt ihre "Badelatschen" sehr lässig zum Anzug. Sah wirklich gut aus.

Wir setzten uns auf die Wiese und guckten der Hochzeitsgesellschaft ein wenig vom Weiten zu. Da hatte sich das Paar eine wirklich schöne Location ausgesucht. Leider schien die Party davon trotzdem nicht richtig in Fahrt zu kommen, denn irgendwie standen alle nur etwas gelangweilt in der Gegend umher. Außer einer ziemlich betrunkenen Brautjungfrau, die sich völlig daneben benahm und immer wieder kreischte, hatte von den anderen wohl keiner so richtig Spaß.

Die Stimmung in unseren Herzen sah aber auch nicht grade rosig aus. Noch drei Nächte in unserem Camper und dann hieß es "Ade". Ich bekam derweil Hunger und wollte schon etwas früher einen Schlafplatz suchen. In Byron Bay konnten wir ja schlecht stehen bleiben. Schließlich wussten wir ja aus Erfahrung, dass mit den ansässigen Rangern nicht zu spaßen war und die besonders hart waren. 2009 hatten wir mit ihnen schon Bekanntschaft schließen dürfen und konnten gut und gerne auf ein Wiedersehen verzichten.

Leider gestaltete sich die Suche als etwas schwierig und wir mussten mit einer Rest Area am Highway vorlieb nehmen. Zwar hatten wir schon schlechter geschlafen, aber hier war´s eben nicht so lauschig. Nach einem Happerchen und ein wenig Videogegucke ging´s auch schon ins Bette und wir beide machten die Augen zu.


08/01/2012 SONNTAG

Nach ein paar Stunden Schlaf am romantischen Highway hüpften wir gegen 4.30 Uhr aus den Federn, um am östliches Punkt in Byron Bay am Leuchtturm einen letzten Sonnenaufgang zu erleben.
Auch wenn wir wenig Schlaf intus hatten, ging das mit dem Aufstehen relativ schnell. Naja, die Motivation, die uns antrieb, war ja auch leicht zu durchschauen. Genau, es würde das letzte Mal am Meer einen Sonnenaufgang für uns geben. Jedenfalls in Australien.

Gegen 5.00 Uhr ritten wir in Byron Bay ein und hielten erst einmal bei der leckeren Byron Bay Bäckerei an. Bei dieser hatte ich mich mit ein paar Freunden schon 2009 nach einer durchzechten Nacht zu Catis Geburtstag (ein damaliger Housemate aus Brisbane), eingefunden und gestärkt. Sehr lecker. Ich nahm ein saftiges, knitschiges Käse, Schinken Teigteilchen (sehr lecker, yummi) und Müscha nahm einen Rindfleisch Kartoffelbrei Pie. Einen so riesigen Pie hatte ich lange nicht mehr gesehen. Also eine super Größe für Nimmersatt Müscha.

Dann fuhren wir zum Leuchtturm. Komischerweise standen in der Stadt total viele Camper rum, was uns irgendwie verwunderte. War der Ranger seine Runde noch nicht abgefahren oder haben sich die Regeln hier so stark verändert und hier herrscht wohl nicht mehr "Zucht und Ordnung"? Kurzweilig überlegten wir, ob wir nicht Ranger spielen sollten, um uns die Urlaubskasse etwas aufzubessern oder einfach nur, um uns zu amüsieren und in verschlafene Gesichter zu blicken.

Familie Schmautz hatte jedoch Mitleid und so ließen wir dem Rangern den Vortritt. Spätestens gegen 6.00 Uhr würde hier kein einziges Auto mehr parken.

Auch am Leuchtturm standen so viele Camper, so das wir die letzte Parktasche erwischten. Mensch was war denn hier los? Komisch. Weil wir noch ein wenig Zeit bis zum Sonnenszenario hatten, machten wir uns über unser Frühstück her. Soll ja die wichtigste Mahlzeit am Tag sein...hab ich gehört. Besonders morgens um kurz nach 5.00 Uhr ein schönes sapfiges, fettiges Teigteilchen oder ein buttertriefender Pie, so etwas soll besonders gesund sein. Hab ich aber wie gesagt nur gehört. Den Pie konnte ich grade noch einmal angucken, kurz kosten und "Tschüss" sagen, als Müscha das Riesenvieh in weniger als einer Minute "einatmete". Uiuiui! Während ich genauso bedachtsam und langsam vor mich hin mümmelte wie wir unsere Errungenschaften bestellt und gekauft hatten, happste Müscha seinen Pie in maximal drei Atemzügen weg.

Als ich meinte: „Mensch Müscha, genieß das doch ein bisschen!???“ Meinte Müscha nur, dass er sich doch schon Zeit gelassen hätte. Und als er sah, dass ich die Hälfte meines Teilchens wieder in die Tüte zurück tat, um später noch etwas zum freuen zu haben, ergänzte Müscha seinen Satz mit: „Ja, und die kleine Streber Lane aus der 1b hebt sich natürlich noch etwas für später auf, ist klar.“
Pfe, Streber Lane, pah, ich freu mich nachher umso mehr darüber.

Unterdessen fuhren immer mehr Autos vor. Sicherlich mit einer ähnlichen Absicht wie wir. Nein nicht Pie-Wettessen, natürlich Sonne gucken. Leider suchten sie vergeblich nach Parkplätzen und das Verhalten der Camper, die hier übernachteten und die Parkplätze belegten, empfand ich schon als sehr dreist. Hier sei bemerkt, dass wir uns immer benehmen und uns bei unserer Schlafplatzauswahl sehr unauffällig verhalten und versuchen niemanden zu stören.

Müscha und ich stiefelten jetzt aber auch erst einmal los. Und da strahlte er uns an, der schöne, weiße, blinkende Leuchtturm. Auch wenn es mittlerweile schon dämmerte, sah man die sich drehende strahlende Lampe scheinen. Ich glaube, der Leuchtturm von Byron Bay ist mit einer der schönsten Leuchttürme, die ich hier in Australien gesehen habe. Außerdem hat man ein herrlichen Blick vom Plateau auf´s Meer hinaus. Einfach atemberaubend und zugleich sehr beruhigend. Und der sich anschließende kleine Track bis zu den Felsen und runter zum Meer ist auch schön. Hier schließt sich ein kleines Wäldchen an, so dass eine Vielzahl von Tieren an diesem Ort ihr zu Hause gefunden haben. 2009 hatte ich hier mein erstes Wallaby, so eine Art Känguru, gesehen und mein heiß geliebter "Elektrovogel" stellte sich mir vor. Vor der Küste kann man zur richtigen Zeit auch super Wale beobachten. Rundum ist das hier ein wirklich schöner Ort.

Schon 2009 hatten wir dank Ranger (er hämmerte uns damals gegen 5.00 Uhr aus den Federn) einen wunderschönen Sonnenaufgang miterleben dürfen. Heute war es jedoch ziemlich bedeckt, dass entweder noch ein heftiger Wind die Wolken durchpusten müsste, damit wir etwas erblicken würden oder wir einen Rötgenblick benötigten.
Leider blieb beides aus, so dass nur ein winziges Loch Durchblick auf die aufsteigende Sonne gewährte. Leider blieb es auch dabei und der "Aha Effekt" blieb bedauerlicherweise aus. Für die anderen Sonnenanbeter sicherlich weitaus tragischer als für uns, denn die hatten auf jeden Fall was verpasst. Naja, man kann nicht immer Glück haben.

Auch wenn sich die Sonne hinter den Wolken versteckte, genossen wir den Blick von hier oben und wagten noch ein Tänzen. Danach fuhren wir zum Main Beach zurück. Zu unserer Verwunderung standen noch immer überall schlafende Camper auf den Straßen. Komisch mittlerweile sollte doch der Ranger seine Runde gemacht haben. Wir stellten die These auf, dass es vielleicht Saisonabhängig ist und je nachdem wie die Caravanplätze ausgebucht sind oder nicht, die Leute hier kontrollieren. Vielleicht war 2009 einfach die Auslastung auf den Campingplätzen zu gering, so dass die Ranger dazu angehalten wurden, den Touristen Angst einzujagen, so dass sie sich dann auf den Campingplätzen einfinden. Und vielleicht war jetzt alles ausgebucht und es gab gar keine andere Möglichkeit als auf der "Straße" zu schlafen? Naja wer weiß. Wir waren auf jeden Fall umsonst aus Byron Bay gefahren und hätten uns auch gelassen dazu stellen können.

Oberhalb des Strandes an einem Tisch, machten wir es uns jetzt mit einem Kaffee gemütlich. Herrlich wie ruhig es noch war. Die aufsteigende Sonne, das Meer und eine tolle Stimmung. Byron Bay ist wirklich immer wieder einen Besuch wert.
Während wir unseren Kaffee schlürften, schrieben wir Karten und neben uns füllte sich alles mit Menschen. Viele Australier, die ihren sportlichen Aktivitäten nach kamen. Ob paddeln, Kanufahren, schwimmen oder joggen. Hier wird Gemeinschaft noch groß geschrieben und die Leute nutzen den Sonntag richtig aus. Naja bei dem Wetter kein Wunder.

Am Vormittag bummelten wir noch einmal durch die Stadt und gingen von einem Laden zum nächsten. Auf dem Rückweg trafen wir Juzzie Smith, der mit seiner Ein-Mann-Kombo ordentlich für Stimmung sorgte. Ein total cooler Typ, der auf jeden Fall Rhythmus im Blut hatte. Aber nicht nur das, er war auch ein großartiger Entertainer. Großartig. Schnell bildete sich eine kleine Traube von Menschen um ihn herum und wir hatten was zum gucken. Einfach nur toll.

Leider muss man ja gehen, wenn´s am Schönsten ist. Und auch wenn wir hier noch ewig verweilen konnten, wir mussten jetzt Abschied nehmen und wir steuerten ein neues Ziel an.

Ganz in der Nähe war das aus Funk und Fernsehen bekannte Dschungelcamp ansässig. Und wir dachten uns, wenn wir schon mal hier sind, dann können wir doch gleich einmal vorbei schauen. Vielleicht brauchten sie ja noch zwei kaputte Typen. Gesagt getan, also ging´s jetzt nach einer Fahrt durch den Regenwald ins Camp. Und wer hätte es gedacht, auf einmal standen wir vor den Toren und uns heißte eine Mannschaft von Securitypersonal willkommen. Und folgende Konversation entfachte.

Müscha sehr fröhlich: Hey Mate!
Security angespannt und böse drein guckend: You know you are at the wrong place!
Müscha total von sich überzeugt und mit Nachdruck: No!
Security zu Müscha blickend: Your Name?
Müscha: Ingo!
Security mich fragend: Your name?
Ich: Bianca!
Müscha: And together we are Bingo, nice, isn´t it? (Grins)

Ein wenig überfordert schaute uns das Riesenbaby an und wusste scheinbar nichts mit uns anzufangen. Dummerweise hatten wir verpeilt unsere Kamera einzuschalten, dann hätten wir eine wirklich schöne Konversation aufgenommen. Herrlich.

Security: Please turn your car and go back!
Müscha: Okay!

Eigentlich fraglich, warum hier so viel Security ist. Hier werden ja wohl nicht alle Tage zwei Bekloppte vorbei kommen und mal „Hallo sagen“ wollen! Und diese Z-Promis haben´s doch auch nicht nötig. Naja, die Filmindustrie sagt zwar immer es geht ihr schlecht, dieser hier wohl scheinbar nicht. Denn dann würden die sich doch nicht so abschotten.

Wer selbst mal mit dem Riesenbaby sprechen will, kann sich auf den Weg nach Murwillumbah in der Nähe von Tweed Heads machen. Dann einfach mal in die Touristeninformation gehen und nachfragen, wo sich das Dschungelcamp befindet. Ein Schmunzeln dafür kassieren und sich dann den Weg erklären lassen. Die geben einem gerne Auskunft, wenn man nett fragt. Wer sich das nicht traut, schreibt mir einfach eine Email. Gegen Endgebühr versteht sich, gibt’s die heiße Info auch von mir. ;-) Muahhh!!!

Auf jeden Fall können wir mit Gerüchten aufräumen, dass die Autobahn in der Nähe ist und dass man die im Camp hört. Dann müssten einige echt gute Ohrkanäle haben oder schon vor Hunger halluzinieren.:-) Das Camp liegt mitten im Busch, in einer echt schönen Landschaft. Und hätten wir uns nicht hierher aufgemacht, wären wir jetzt nicht um tolle Südfrüchte reicher. Eine saftige Melone, Bananen und Passionsfrüchte für insgesamt 5 Dollar. Cool.

Nach unserem kleinen Besuch fuhren wir nach Tweed Heads, um uns im nächsten Outdoorladen mit Equipment einzudecken, um uns dann durch den Dschungel über die Nordflanke ins Camp durchzuschlagen. Wär´ doch gelacht, wenn wir das Riesenbaby nicht umgehen könnten und uns auf anderen Wegen Zugang verschaffen.

Natürlich haben wir das nicht gemacht. Trotzdem sind wir Richtung Gold Coast nach Tweed Heads und weiter nach Coolangatta, um uns von dem Erlebnis erst einmal zu erholen. Direkt am Strand legten wir ein Päuschen ein und hielten ein ausgiebiges Kaffeekränzchen.

Immer öfter werden wir dieser Tage nachdenklich und blicken wehmütig auf´s Meer hinaus. Nur noch zwei Nächte im Fucy und dann würden wir unser Häuschen auf Rädern in die Hände von Britz Camper zurückgeben müssen. Aber bis dahin waren es ja nun noch ein paar Stunden. Also nicht rumheulen, sondern lieber die letzte Zeit ausgiebig genießen. Außerdem würden wir ja dann nicht gleich wieder zu Hause sein, sondern noch eine Woche Brisbane "unsicher machen".

Bis dahin war nun aber noch ein wenig Zeit und wir schauten uns die Route nach Brisbane an. Mittlerweile waren es gerade einmal 100 Kilometer. Auf dem Weg dorthin hatten wir noch einen kleinen National Park entdeckt. Dieser würde zwar einen kleinen Umweg bedeuten, aber die paar Kilometer mehr machten den Kohl jetzt auch nicht mehr fett.

Bevor es dort hin ging, wollten wir aber noch ein paar Surfer mit der Kamera einfangen. Leider war das gar nicht so einfach, denn obwohl das hier eine Hochburg für Surfer ist, trieben die sich offenbar überall rum, nur nicht im Wasser von Coolangatta oder Burleigh Heads. Am Point Danger, der gleichzeitig auch die Grenze zwischen New South Wales und Queensland bildet (siehe Bild – die Mündung formt die natürliche Grenze), fanden wir dann doch eine Hand voll Surfer. Leider trieben die nur gelangweilt auf dem Wasser umher, so dass das für ein Foto leider nicht reichte.

Auf dem Weg zurück zum Highway kamen wir an einem Springbrunnen vorbei und offensichtlich hatte jemand meine "Ich-schütte-irgendwann-einmal-ein- bisschen-Waschpulver-in-den-Straussberger-Platz-Springbrinnunen-Idee" geklaut. Schnell hielten wir an, um das mit der Kamera einzufangen. Wer will schon langweilige Surfer, die auf Wellen warten. Waschpulver, was aus dem Brunnen als große Schaummassen ausgespuckt wird, ist doch viel faszinierender. Zwei kleine Kinder machten sich schon einen Spaß daraus, in dem Schaum umherzutollen. Klar, da durfte die "kleine" Lane nicht fehlen.

Der Schaum sah fast aus wie Schnee und flog durch die Luft. Als wir drei "Kinder" da so umher tobten, kamen auf einmal immer mehr Leute. Und auch wenn die Sache an für sich "eigentlich" nicht lustig ist, hatten alle Herumstehenden ihre Freude daran. „Denn liebe Kinder lasst Euch sagen, Waschpulver in einen Springbrunnen werfen, das gibt Klagen. Das Wasser wird verunreinigt, die Umwelt gequält und allein der Witzbold, der freut sich.“ Na jut, die Lane vielleicht auch, ein ganz kleines Bisschen. ;-)

Nun ging´s aber wirklich weiter und wir fuhren in den Springbrook National Park. Die Straße war mal wieder ganz hervorragend und uns schaukelte es hin und her, so dass wir gut geschüttelt, nein nicht gerührt, ca. 20 Kilometer vor dem Ziel eine Rest Area fanden. Ganz schön dunkel war´s hier. Und dank der herum fauchenden Possums auch ziemlich spuky.

Der National Park lag auf jeden Fall mitten im Regenwald und schon jetzt bemerkten wir, dass wir uns eine Serpentinenartige Straße hoch schlängelten. Da kann man nur gespannt sein, was uns da morgen erwartet. Vorerst fauchten wir uns aber noch ein wenig mit dem Possum an und verschwanden dann etwas eingeschüchtert im Bettchen.

Morgen würde dann der letzte Ausflug mit unserem Camper sein. Schon ein komisches Gefühl. 







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