02/01/2012
MONTAG
Mitten
in der Nacht holte uns der Wecker aus dem nur vierstündigen Schlaf.
Ich für meinen Teil hatte gar keine Lust meinen Po in die Senkrechte
zu bewegen. Apropos Po, der tat immer noch höllisch weh und ich
konnte meine Sitzknochen oder wie die Dinger heißen, deutlich
spüren. Irgendwie quälten wir uns dann doch raus und fuhren die
restlichen Kilometer hoch nach Katoomba. Morgens um 5.00 Uhr war hier
noch gar nichts los und oben in Katoomba bei den „Three Sisters“
angekommen war ich froh, mich gleich wieder in die Waagerechte legen
zu können.
Die
„Drei Schwestern“ sind natürlich nicht irgendwelche drei
hübschen Torten, mit denen sich Müscha in der Frühe treffen
wollte, sondern eine Felsformation, die sich über den Baumwipfeln
der Blue Mountains erhebt. Und die Blue Mountains sind ein Gebirge,
das sich vor den Toren Sydneys erstreckt. Hier findet man herrliche
Ausblicke über die Wälder, Wanderwege und viele Vogelarten, die
überall rumhüpfen und -piepen. Und die "Drei
Schwestern"
wollte Müscha bei Sonnenaufgang mal ins rechte Licht rücken. Ich
rückte mich derweil, wie schon bereits erwähnt, auf der Matratze
noch einmal in eine bequeme Position.
Als
Müscha wieder kam, berichtete er mir, dass er nicht der einzige
Fotograf vor Ort und noch fünf weitere Touristen vor Ort waren.
Viele Asiaten. Und eine Asiatin stand direkt neben ihm. Eigentlich
nicht weiter schlimm, aber als ich hörte, was Müscha da berichtete,
wurde mir kurzzeitig dann doch ein wenig übel. Die Asiatian hatte
doch tatsächlich neben meinem Müscha einen lautstark fahren lassen.
Bei allem Respekt für Kultur, aber das geht ja nun wirklich ein
wenig zu weit.
Für
einen kurzen Moment dachte Müscha auch darüber nach zu kontern (und
wir wissen, dass wäre eines seiner leichtesten Übungen gewesen),
ließ es aber, weil er ja über Anstand verfügt. Sehr merkwürdig
wie manche Kulturen drauf sind. Auf diesen Schock krabbelte Müscha
wieder neben mich und wir schlummerten noch ein wenig.
Gegen
9.00 Uhr positionierten wir uns wieder in die Senkrechte und liefen
in die Touristeninformation. Wir hatten gehofft, hier ein paar
Informationen über ein paar Wanderwege zu bekommen. Leider war die
Ausbeute dürftig und so gingen wir mit leeren Händen wieder heraus.
Aber Bockwurst Lane und Trucker Müscha würden schon den richtigen
Weg einschlagen. Und ansonsten immer den Massen hinterher.
Derweil
hatte sich nämlich der Vorplatz der Three Sisters so dermaßen
gefüllt, dass Massen von Touristen umher sprangen und große
Reisebusse vorfuhren und immer wieder für Nachschub sorgten.
Überwiegend Asiaten. Also das Pupsvölkchen. Hoffentlich pupsen die
nicht alle gleichzeitg, nicht, dass da noch eine Pupsbombe hochgeht,
obwohl sich jemand nur eine Zigarette anzünden wollte.
Und
irgendwie bekamen wir das Gefühl von einem Extrem ins nächste zu
fallen. Entweder waren die Städte komplett ausgestorben oder total
überfüllt wie jetzt.
Für
uns waren es zu dieser Tageszeit eindeutig zu viele Menschen und so
entronnen wir für´s erste den Massen und frühstückten in einer
lauschigen Ecke.
Kurze
Zeit später war´s mit unserem lauschigen Plätzchen auch erledigt
und immer mehr Autos parkten um uns herum. Das ging hier zu wie in
einem Taubenschlag und Müscha und ich verstanden die Welt nicht
mehr.
Die
Blue Mountains schienen bei den Touristen allseits beliebtes
Reiseziel in den Ferien zu sein. Naja, vielleicht verständlich. Ganz
schön war´s ja hier, wenn man sich die vielen Menschen wegdachte.
Naja,
was soll´s, wir mischten uns mit unter die Leute und das, was wir
erlebten war einfach nur krass. Zu einem Lookout unterhalb der
„Thress Sisters“ mussten wir uns regelrecht quetschen.
Die
Wanderwege sind teilweise nur wenige Meter breit, so dass teilweise
kein Durchkommen mehr war. Zum Lookout ging´s dann auch noch eine
Naturtreppe runter, wo maximal ein Menschlein hoch oder runterlaufen
konnte, so dass entweder von oben oder von unterhalb der Verkehr
stockte. Tja und wenn du dann so nen "Pupser" vor dir hast:
„Halleluja!“
Wir
quälten uns die trotzdem die Stufen nach unten und auch wieder nach
oben. Wobei das Anstrengende nicht körperliche Betätigung war,
sondern eher diese Massenveranstaltung.
Während
wir wieder nach oben kraxelten und herunter kommende Menschen
Vortritt gewährten und warten mussten, schlug mein Kopf ordentliche
Kapriolen und ich hatte ordentliches Kopfkino. Ich beobachtete die
Touristen und tausende von Fragen schossen mir durch den Kopf. Die
Australier verbieten ja so ziemlich alles, was Spaß macht. Besonders
in der Öffentlichkeit. Untrainierte Touristen mit schlechtem bis
hoch gefährlichem Schuhwerk (Flipp Flopps) oder sogar Barfuß eine
steile Treppe hinab- und wieder hochsteigen lassen, das ist dann
total in Ordnung.
Ich
hörte es neben mir nur knacksen und plumsen. Körperspannung
verfügten hier die meisten wohl nicht und wahrscheinlich war das der
erste " Sport" nach hundert Jahren. Um Gottes Willen, ich
möchte hier nicht urteilen, wie viel Sport jeder machen wollte oder
nicht. Aber ein Hinweisschild wie steil es in die Tiefe geht oder
dass man dazu verpflichtet ist adäquates Schuhwerk anzuziehen, wäre
doch nicht zu viel verlangt. Einige überschätzten sich da glaube
ich ungemein, denn auch trainiert kam ich gut ins Schwitzen. Aber
egal, das Gefährliche ist einfach die Hitze, die das Ganze doppelt
anstrengend macht. Also liebe Aussies, wie wäre es denn mal mit
einem neuen Schild. „Flip Flops verboten“ oder „Zutritt für
Asiaten nur mit Kohlefaserunterwäsche“ oder soähnlich?
Oben
wieder angekommen, suchten wir schnell das Weite und hofften den
Massen entrinnen zu können. Doch egal, wo wir an unserem heutigen
Tag noch hinkamen, überall wimmelte es von Touristen und Müscha und
ich fühlten sich nicht grade wohl.
Aber
jetzt waren wir in diesem Hexenkessel gefangen und nicht viele
Alternativen.
Gegen
Nachmittag fuhren wir in das ein wenig tiefer gelegene Leura. Auch
hier gibt es wunderschöne Wanderwege, Wasserfälle und
Aussichtspunkte. Bei der Leura Cascades Picknick Area machten wir uns
zu einem weiteren Marsch auf. Auch hier wimmelte es von Touristen,
die sich wie Ameisen ihren Weg durchs Unterholz schlugen.
Weil
wir eine kleine Abzweigung zu den Gordon Falls einschlugen, konnten
wir die meisten abhängen und waren wenigstens für die nächste
halbe Stunde alleine. So konnten wir endlich der herrlichen
Geräuschkulisse wie dem Rauschen der Bäume, den Vögeln oder den
Wasserfällen lauschen. Unserer Pfad führte uns zu einem
Aussichtspunkt, wo wir eine tolle Aussicht über die Wälder und den
Wasserfall hatten.
Doch
kaum bogen wir wieder auf den "Hauptpfad" war´s mit den
herrlichen Geräuschen vorbei und stimmendurchwachsener Menschwall
wälzte sich hier durch. Ja, manchmal wäre Klappe halten echt schön.
Wieder zurück an der Picknick Area spürten wir die zwei Märsche
durchaus in unseren Knochen. Besonders durch das Stufen hinunter- und
raufsteigen. Also gab´s jetzt auch für uns erst einmal eine kleine
Stärkung.
Am
Gordon Falls Reserve machten wir uns zu Wanderung Nummer drei auf, wo
bei ich für meinen Teil echt genug vom Laufen hatte. Ich war eh
schon begeistert, dass ich noch nicht komplett nörgelnd in irgend
einer Ecke stand und rebellierte. Wer mich kennt, dürfte wissen,
dass ich zwar gern für eine Laufrunde zu haben bin, das "Spatzen
rasieren" aber nur teilweise auf Begeisterung bei mir schlägt.
Als wir dann zur vierten Runde aufbrechen wollte, streikte ich und
blieb im Auto. Ich hatte genug vom Klettern, Treppensteigen und dem
umhergelatsche. Zumal die Entfernungs-beschreibungen auch fürn Arsch
waren. Ich bin ja in Geometrie echt ne Nilpe, aber wie viel ungefähr
300 Meter sind, kann ich schon beurteilen. Und für heute waren wir
mit Sicherheit schon knapp 10 Kilometer gelaufen und nicht nur,
wenn´s nach der Beschilderung ging 2 Kilometer.
Während
Müscha sich also zu einem weiteren Abstieg wagte, hielt ich ein
Pläuschchen mit ein paar Australiern aus Brisbane. Die zwei meinten
auch, dass ich da unten nichts verpassen würde und so konnte ich
ruhigen Gewissens beim Auto auf Müscha warten.
Während
ich komplett durchgeschwitzt war und das Ende dieser Wandertour kaum
erwarten konnte, wollte Müscha jetzt noch zum Sublime Point. Ein
Lookout, wo man auch einen ganz hervorragenden Blick über die Blue
Mountains bekommen soll. Doch hier streikte ich schon im Vorfeld und
stieg erst gar nicht mehr aus dem Auto. Lanchen war kaputt gespielt
oder hätte mal eine Stulle mehr essen sollen.
Am
Abend fuhren wir wieder hoch nach Katoomba zu den Three Sisters.
Müscha konnte sich von den Steinigen Mädels irgendwie noch nicht
losreißen. Scheinbar war der erste Flirtversuch heute morgen noch
nicht so gefruchtet und er versprach sich bei Sonnenuntergang mehr
Hoffnungen.
Unseren
Schlafplatz schlugen wir in Wentworth Falls bei den gleichnamigen
Wentworth Falls auf. Da hier noch viele weitere Camper standen,
fühlten wir uns relativ sicher und waren in der Annahme, dass uns
hier nichts passieren würde. Nur früh aufstehen sollten wir. Nicht,
dass uns die Asiaten beim Frühstücken auf die Teller pupsen
konnten.
03/01/2012
DIENSTAG
Wie
zu erwarten, blieb die Nacht und der Morgen völlig entspannt und
kein Ranger ging hier auf Camperjagd. Also frühstückten wir ganz
entspannt und ließen uns von den Flattertieren ein Liedchen
zwischern. Der liebe "Elektrovogel" war auch dabei und ich
freute mich wie ein kleiner Kullerkeks. So wird man doch gerne aus
dem Schlaf gepiepst.
Während
wir da so in unseren Campingstühlen saßen, fiel uns auf, dass es
sich auch in Wentworth Falls langsam füllte. Anfangs dachten wir,
dass hier wenigstens keine Reisebusse raus gelassen werden, aber
Punkt 9.00 Uhr rollte der erste in die Einfahrt und trippel trappel,
sprangen die kleinen Touristen aus. „Oh mann, bloß schnell weg!“,
dachte ich mir. Noch so ein Tag und ich bekomme Alpträume.
Also
schnell noch den Kaffee weggeschlürft, in eine passable Hose, festes
Schuhwerk an und ab Wasserfälle gucken, bevor hier die nächsten
Busse ankommen.
Eigentlich
wollte ich vor unserem Spaziergang die Keramikabteilung besuchen,
denn ich musste sehr dringend Pipi. Ich konnte ja nach dem Aufstehen
nicht mal in den nächsten Busch. Dafür war es schon eindeutig zu
voll. Leider waren aber die Toiletten geschlossen, warum auch immer.
Na toll, das kann ich ja leiden. Mit einer vollen Blase laufen und
wohl möglich schon wieder Treppauf und Treppab.
Nachdem
Müscha und ich uns den Ausblick auf die Wasserfälle von oben
angeguckt hatten, entdeckten wir weitere Lookouts. Und weil die nicht
weit weg waren, ließ ich mich breitschlagen und wir stapften wieder
los. Ich schon mit einem leicht Schmerz verzehrterem Gesicht, weil
ich immer dringender musste. Und mal eben in den Busch ging nicht,
weil zu viele Zuschauer.
Naja,
gleich würden wir wieder beim Auto sein und zu einer Toilette
fahren, dachte ich mir. Doch es kam wie es kommen musste, aus einem
"Wir sind gleich wieder beim Auto" wurde mit Sicherheit
eine Stunde Fußmarsch. Und warum, dank Beschilderung. Als wir beim
zweiten Lookout noch einmal abbogen und dann auf ein Schild trafen
mit "Carpark rechts", gingen wir davon aus, den kürzesten
Weg einzuschlagen. Aber denkste! Jetzt liefen wir schon 20 Minuten
durch Matsch und Geröll und ich musste tierisch Pieschern. Doch ein
Gutes hatte die Sache. Zum einen war der Pfad wunderschön, abgesehen
von den suboptimalen Verhältnissen des Weges, und zum anderen, war
hier keine Sau unterwegs und wir begegneten niemandem, außer ein
paar Spinnen.
Trotzdem
konnte ich meiner Blase nicht Platz verschaffen und so sah mein
Gesicht teilweise schon etwas schmerzverzehrt aus. Als wir nach ca.
einer Stunde wieder am Parkplatz waren und ich einen neuen Versuch
bei den Toiletten startete, wurde es nicht grade entspannter, denn
ich las immer noch das Schild mit „Toilettes are closed“.
Grrrr...da kann einem ja die beste Laune vermiest werden.
Naja,
trotzdem hatte sich der einstündige Umweg gelohnt, auch wenn das im
Vorfeld anders gedacht war.
Nun
ging´s nach Glenbrook, das letzte kleine Städtchen, das an die Blue
Mountains grenzt. Hier hatten wir ein paar Anlaufpunkte, jedoch
sagten diese uns nicht mehr so zu. Wahrscheinlich waren wir aber auch
von den anderen Eindrücken gut überflutet, so dass wir
entschlossen, es bei der Besichtigungstour der Blue Mountains zu
belassen.
So
kam nun das letzte Stück unserer Reise. Auf Richtung Norden, nach
old good Brisbane. Natürlich versuchten wir nicht den gleichen Weg
wie schon vor 2 Jahren einzuschlagen, so dass wir jetzt fast schon
ein wenig überlegen mussten, wo wir uns lang schicken wollten, um
neue Plätze zu entdecken. So peilten wir für heute erst einmal
Newcastle an. Die drittgrößte Stadt in New South Wales.
Nachdem
wir den Highway hinter uns gelassen hatten, führte uns unser Weg in
eine tolle Gegend. Wir fuhren auf einer Alternativroute, den Pacific
Touristdrive, über´s fruchtbare Hinterland an Feldern, üppigen
Wiesen und einer Vielzahl von wunderschönen Blumen entlang. Zwar
waren die Straßenverhältnisse mal wieder bombe -Schlagbombe, aber
das nahmen wir in Kauf, denn die Strecke war tausend mal
interessanter als der Highway. Außerdem konnten wir unseren Frucht-
und Gemüsehaushalt für grade einmal 5.50 Dollar aufbessern. So dass
wir dafür 5 Gurken bekamen, eine rote Beete, 2,5 Kilo Pflaumen, 2
Riesenzucchini und 2,5 Kilo Tomaten. Das ist doch mal ein guter
Preis und teilweise sogar Bio.
In
Belmont, ca. 25 Kilometer vor Newcastle machten wir stopp. Irgendwie
fanden wir es hier ganz lauschig und wahrscheinlich würde es hier
einfacher sein, ein Schlafplätzchen zu finden, als in einer
Großstadt wie Newcastle.
Also
blieben wir hier, schnappten uns später in der Dunkelheit eine
Outdoordusche, die einen ganz schmofften Duschkopf hatte. Ja, auch so
ein Duschkopf kann beachtung finden. Denn dieser verteilte das Wasser
auf eine angenehme Art und Weise auf dem Körper. Das Wasser
plätscherte nicht unsanft aus dem Hahn heraus, sondern wurde in
tausende tropfen versprüht, die sich auf der Haut sehr wohlig
anfühlten. Und sogar Müscha war begeistert, auch wenn aus dem
Duschkopf nur kaltes Wasser heraussprühte.
Abends
suchten wir uns in einer Seitenstraße bei einem Park ein
Schlafplätzchen, holten für Müscha noch eine Pizza bei Dominos,
schließlich war heute Dienstag – Pizzatag – und schwupps war
auch dieser Tag vorüber.
04/04/2012
MITTWOCH
Heute
setzten wir unsere Reise nach Newcastle fort. Das Frühstück
vertagten wir auf etwas später, weil wir beide noch nicht wirklich
Hunger hatten. Und in Newcastle würde es sicherlich ein schönes
Plätzchen am Strand geben. Wenig später
rollten wir auch schon in der Stadt
ein. Newcastle ist mit ein paar schönen Stränden bestückt und
verfügt sogar über das älteste Schwimmbad Australiens. Das coole,
dieses Schwimmbad ist ähnlich wie in Shellharbour gleich neben dem
Meer. Und man hat die Auswahl, ob man mit den Haien oder doch nur mit
den anderen Schwimmern planschen möchte.
Wir
fuhren die Küstenstraße entlang und mussten feststellen, dass schon
um diese frühe Uhrzeit die Strände aus allen Nähten platzten. Oh
mann, willkommen in der Ferienzeit. Zwar langen die Leute noch nicht
wie die Ölsardinen aneinander gereiht, aber spätestens in ein paar
weiteren Stunden war hier kein Plätzchen mehr zu finden.
Für
Müschas und meinen Geschmack ja nun so gar nichts. Jaa...,
mittlerweile sind wir eher zwei kleine Einsiedler und meiden den
Kontakt zu Menschenmassen. Da bekommen wir schon Beklemmungen, wenn
ein anderer Camper zu dicht neben uns parkt.
Nachdem
wir den Küstenstreifen mit den Stränden und Schwimmbecken in
Augenschein nahmen, fuhren wir in die Stadt und versorgten uns mit
Infomaterial. Bei einem Frühstück in einem kleinen Park, der alles
andere als lauschig war (hier stank es, teilweise dreckig und
irgendwie unromantisch), begutachteten wir das Karten- und
Infomaterial und heckten einen Plan aus, was wir in Newcastle so
anstellen könnten.
Zuerst
wollten wir ein wenig durch die Stadt bummeln. Die Derby Street,
sollte dafür wie geschaffen sein, denn angeblich sollte man hier
gute Galerien und Geschäfte zum shoppen finden. Das hörte sich doch
gut an. Schön ein wenig Schlendern während die anderen in der
Bullenhitze (35 Grad) am Strand verkohlten. Doch schon als wir um die
Ecke in die Derby Street bogen, war uns klar, unser Bummel würde
sich auf wahrscheinlich eine halbe Stunde verkürzen. Denn zum einen
war die Straße nicht sonderlich lang, noch war hier fiel los und
besonders viele Geschäfte gab´s jetzt auch nicht.
Sicherlich
hätten wir hier ganz gut Essen können, denn ein Restaurant nach dem
anderen war hier zu finden, doch wir beide hatten ja gerade erst
gegessen. Ein paar Geschäfte und eine Galerie weiter, bogen wir dann
doch wieder in die Straße zu unserem Fucy ein und mussten uns nun
einen Plan B überlegen. Nach unserem Bummeln dachten wir daran, die
alten Schwimmbäder zu besuchen, aber dafür war es jetzt noch ein
wenig früh. Dementsprechend zu heiß und viel zu voll.
Doch
schnell fiel uns was neues ein. So ging es kurz zu McDonalds und
danach in ein Shoppingcenter, um ein paar Postkarten zu drucken und
ein paar Besorgungen zu machen. Lustigerweise war unser Besuch beim
Big W wieder ein voller Erfolg. Nicht, dass wir danach wieder schöne
Postkarten in den Händen hielten. Nein, auch wir zwei Quatschköppe
kamen wieder auf unsere Kosten und so konnte wieder viel bunte Knete
aus unseren Köpfen mit der Kamera festgehalten werden.
Ich
weiß nicht, ob wir uns so daneben benahmen, aber als wir ein paar
Fotos von Riesenschokoladen mit mir aufnahmen, kam doch echt ein
Security an. Beim ersten Mal dachte er, Müscha würde einfach so die
Regale fotografieren, was wohl nicht gestattet sei. Scheinbar hatte
der Gute mich übersehen. Er entschuldigte sich auch gleich. Wenig
später kam er aber ein weiteres Mal und forderte uns auf, das
fotografieren einzustellen. Offenbar war es ihm total unangenehm uns
das sagen zu müssen und er wunderte sich auch darüber, warum
eigentlich, aber Anweisung von "Oben".
Schade,
da macht die Runde im Big W gar nicht mehr so viel Spaß. Naja, die
Wartezeit auf unsere Postkarten war eh gleich vorüber, so dass wir
nicht lange Däumchen drehten.
Unterdessen
hatte es draußen angefangen zu regnen. Für Müscha, der die
Schwimmbäder am Abend noch in Szene setzen wollte, etwas doof. Aber
sicherlich würde es eh gleich wieder aufhören.
Und
so war´s. Also fuhr Familie Schmatz jetzt zum Newcastle Beach, wo
sich auch gleich die Seebäder befinden. Nach einem kleinen Imbiss
spazierten wir runter zu den alten Seebädern. Ich für meinen Teil
setzte mich neben das alte Becken auf die Tribüne oder Stufen, die
das Becken ringsum einschlossen. Während Müscha um das Becken
hoppste, beobachtete ich die Schwimmer und schrieb an meinem Blog.
Schon
urig hier. Das 1922 von Häftlingen erbaute Becken hatte schon was
uriges. Einen gewissen Charme, auch wenn der ein oder andere Ziegel
nicht mehr so hübsch anzusehen und alles etwas baureif ist, ist das
ganze sehr kultig. Fast ein wenig wie in den Sixties. Fehlten nur
noch die Schwimmer mit ihren Gummibadekappen. Die sind wohl in der
Versenkung verschwunden, dafür ziehen hier immer noch Schwimmer ihre
Bahnen und überall tollen quietschenderweise Kinder umher.
Müscha
entdeckte immer wieder neue Sachen zum fotografieren, so dass ich
derweil die 35 Grad unter der Dusche abspülen ging. Mensch, das war
echt heiß heute. Als wir uns beide am Auto wieder trafen, erzählte
mir Müscha riesige Flippers im Wasser gesehen zu haben. Er war
jedoch von der Größe der Tümmler so erschrocken, dass er
erstarrt stehen blieb als auf den Auslöser zu drücken. Wie im ein
Australier mitteilte, waren es wohl wirklich ungewöhnlich große
Exemplare. Manno während ich also mit meinem Duschgel schwamm, hatte
Müscha schon wieder was erlebt. Naja, ich gönn´s ihm ja. Schade
nur, dass er kein Beweisbild ergattern konnte.
Als
wir beide frisch geduscht wieder im Auto saßen, fuhren wir jetzt
noch eine kleine Runde Auto. Newcastle war zwar ein ganz nettes
Städtchen, aber derzeit einfach zu voll. Also nächste Station. Dank
Infomaterial hatten wir jetzt eine Idee für den kommenden zwei Tage.
Zwischen Hawks Nest und Forsters befindet sich der Myall Lakes
National Park. Wie aus dem Namen zu erahnen, gibt es hier viele
kleine Seen. Ein Gebiet, wo man auf der einen Seite das Meer und auf
der anderen Seite die Seen zum schwimmen einladen.
Wir
wollten heute noch nach Hawks Nest fahren. Rund 88 Kilometer. Es war
zwar schon spät, aber da wir uns ja nicht mehr im Outback befinden,
können wir hier auch nach Einbruch der Dunkelheit Autofahren. Hier
ist ja um einiges mehr auf den Straßen los. Die Gefahr ein armes
Känguru zu treffen, sollte demnach relativ gering sein. Denn die
trauen sich ja auch nur raus, wenn nichts los ist.
Innerhalb
von einer Stunde ritten wir in Hawks Nest ein und verkrümelten uns
in die hinterste Ecke am Strand. Mit uns stand noch ein weiterer
Camper hier. Also wieder ein gutes Zeichen, dass nichts passieren
würde. Während Nachbars noch am Feuer saßen und vielleicht sogar
um das selbige herum sprangen, machten wir uns ein kleines Abendessen
und schliefen später gut ein.
05/01/2012
DONNERSTAG
Heute
sollte es also durch die New South Wales´er Seenplatte gehen.
Sicherlich ähnlich wie bei uns zu Hause. Also kein Grund zur
Aufregung. Hihi! Nach dem Frühstück zuckelten wir erst einmal in
eine Touristeninformationen, um besseres Kartenmaterial zu ergattern.
Unsere Karte aus dem Lonely Planet war ein wenig dürftig und Ken war
auch ein wenig überfordert.
Gut
ausgestattet, holperten wir Richtung Bulahdelah. Eine wunderschöne
Gegend. Immer durch den Busch mit herrlichem Piepmätzen, die vor
sich hersangen., immer entlang am Myall River. Am Bombay Point
setzten wir mit einer kleinen Fähre über selbigen auch über.
Komische Namen hatte die sich hier für die Orte wieder ausgedacht.
Hörte sich alles irgendwie indisch an und nicht grade englisch oder
australisch. Na wer weiß, welcher Entdecker da wieder hinter steckt.
Hinter
Bulahdelah wurde die Fahrt immer schöner und wir machten am Myall
Lake in Neranie ein kleines Picknick. Hier war es wesentlich leerer
als in Newcastle zuvor. Zumal uns auffiel, dass hier eher Australier
als Touristen unterwegs waren. Wir mit unserem Camper fielen daher
fast ein wenig auf. Hier am See herrschte eine ausgelassene Stimmung.
Vor uns fuhren zwei Motorboote auf und ab. Ein paar Jungs hatten sich
ein Surfbrett geschnappt, eine Leine mit einer Hantel hinter ihr Boot
geknüpft und ließen sich jeweils vom anderen durch´s Wasser
ziehen. Und das, obwohl es sehr oldschoolmäßig aussah, sehr
gekonnt.
Das
andere Boot zog zuerst ein kleines Mädchen mit Wasserskiern und
später einen Jungen auf einem Wakeboard. Leider hatte der nicht so
viel Erfolg und kam leider nicht aus dem Wasser. Immer wieder
spitzelte er mit dem Brett beim Start ins Wasser und das Seil
schnippste ihm weg. Der Arme.
Nachdem
wir genug pausierten, setzten wir uns wieder in Bewegung. Entlang am
Smiths Lake, einer kleinen Stadt Namens Pacific Palm und am Wallis
Lake. Nachdem wir an der Küstenfront uns die Strände angeguckt
hatten, schnappten wir uns eine Dusche am Elisabeth Beach. In weiser
Voraussicht, nicht unbedingt so schnell eine weitere für den
heutigen Tag zu ergattern.
In
Green Point am Wallis Lake beendeten wir den Tag für heute und
stellten den Fucy an einer einsamen kleinen Bucht mit Schiffchen ab.
Hier waren wir abgeschirmt vom "Punk" der an den Stränden
der Küstenfront herrschte. Während wir hier unser Lager
aufschlugen, beobachteten wir drei Pelikane, die relativ schlau waren
und versuchten, sich den Fisch aus den Netzten der Angler zu moppsen.
Gekonnt schnappte sie im Netz herum und schafften es doch wirklich
sich ein paar Fische daraus zu klauen. Ich wusste gar nicht wie
intelligent doch Tiere sein können.
Zeitig
verdünnisierten wir uns in die Camperfedern und schliefen in unserem
Camper am See ein.
06/01/2012
FREITAG
„Und
am Ende der Straße steht unser Camper am See, wir haben gut
geschlafen und kein Ranger kam um´s Karreé.“ (Mit der Melodie von
„Haus am See von Peter Fox holperts auch nicht so... ;-)).
Ganz
ruhig war die Nacht und unser Camper schaukelte leicht im Wind bei
Mondschein vorm See. Genauso gut schliefen wir. Trotzdem beendeten
wir die Nachtruhe wieder etwas zeitiger. Wir wollten zum Strand, um
Fotos zu machen. Und da heißt´s immer wieder: „Morgenstund hat
Gold im Mund!“
Erst
gegen 9.00 Uhr standen wir vorm Camper und hatten genug vom
fotografieren. Ich für meinen Teil sah aus wie ein begossener Pudel,
der sich mit einem Sandmann geprügelt hatte. In allen
Körperöffnungen, auch in denen, die ich bis dahin noch nicht
kannte, blubberte entweder Wasser oder ich holte ne Schippe Sand
hervor.
Wir
hatten ein bisschen herum getobt und eine dicke Welle hatte mich
erwischt. So sehr, dass sie mich einmal komplett unterspülte und mir
den Sand in sämtliche Körperöffnungen schoss. Ganz klar, unsere
nächste Station war jetzt erst einmal eine Dusche, in der Hoffnung
den Sand los zu werden.
Für´s
erste tat die Dusche auch gut, doch noch Stunden später holte ich
immer wieder aus Ohren und Nase Sand. Bääh...!
Der
Great Lake Way sollte für den heutigen Tag in Forsters zu Ende gehen
und nun kamen wir Brisbane immer näher. Aber wie kann man besser
dahin schwelgen und es einem wehmütig um´s Herz werden lassen.
Genau bei einem Frühstück mit Blick auf´s Meer. So mumpelten wir
zur Feier des Tages Pancakes mit Ahornsirup und blickten dabei auf
den Ozean, in dem sich sogar ein paar Delphine direkt vor unserer
Nase tummelten. Ach mensch.
Von
Forsters aus ging´s jetzt immer den Pacific Highway entlang. Für
heute wollten wir mindestens nach Grafton kommen. Also lagen noch ein
paar Kilometerchen vor uns. Aber auch das würden wir locker
schaffen, denn es war ja gerade einmal 13.00 Uhr. Mit einer
Geschwindigkeit von unglaublichen 80 km/h tuckerten wir vor uns hin
und es schien, als würden wir versuchen, so langsam wie möglich dem
Ziel entgegen zu fahren.
Aber
auch bei diesem Schneckentempo kommt man irgendwann mal an und so
standen wir gegen 17.00 Uhr vor den Toren Coff Harbours. Dieses
kleine Nest war uns wohl bekannt, denn schon 2009 hatten wir hier
einen kleinen Abstecher gemacht.
Müscha
und ich bogen in Richtung Hafen ab und bemerkten, dass hier ganz
schön viel los war. In der Nähe eines Restaurants lag der Duft von
Fish and Chips in der Luft, dem Müscha sichtlich unterlag. So
schnell ihm das Wasser im Munde zusammen lief, so schnell spurtete er
auch los, um sich eine Portion zu kaufen.
Nachdem
Müscha aufgegessen hatte, fuhren wir los, um uns einen hübschen
Schlafplatz zu organisieren. In Sandy Beach wurden wir fündig. Ich
hoffte nur, dass der Name des Ortes hier nicht "Programm"
sein würde, denn von Sand hatte ich heute die Nase gestrichen voll.
Und auch in diesem Satz stecken wahren Worte, denn noch immer popelte
ich mir Sankörner aus Nase und Ohren. Herrlich!
An
einer Rest Area direkt neben dem Strand stellten wir den Fucy ab und
ich machte uns wie jeden Abend ein kleines Abendessen. Auch Müscha
bekam noch einmal Nachschlag, auch wenn er grade gegessen hatte. Aber
setz ihm was vor die Nase und er isst es. Außerdem muss der "Dicke"
wieder etwas auf gepeppelt werden. Denn der "Dicke" ist ein
wenig kleiner auf unserer Reise geworden. Also hau rein Müscha.
07/01/2012
SAMSTAG
Auch
wenn heute Samstag war, verzichteten wir erst einmal auf ein
Frühstück nach dem Aufstehen und rollten gleich mit unserem Fucy
los. Irgendwie war uns nicht nach Frühstücken zu Mute und richtig
Hunger hatten wir auch nicht. Auweia, Müscha und Lane werden immer
wehmütiger um´s Herzchen. Schnief.
Heute
wollten wir erst Nimbin, ein kleines Kifferstädtchen, und dann Byron
Bay besuchen. Wir rollten abgelegen vom Highway durch die Landschaft
und machten an einem kleines See am späten Vormittag Halt, um dort
in aller Ruhe zu frühstücken.
Ein
sehr lauschiges Plätzchen, das ganz zu unserer Stimmung passte.
Etwas melancholisch verträumt. Mit Blick auf den See und den
Erinnerungen im Herzen blickten wir schweigend in der Gegend umher
und versuchten so gut es ging dabei unser Frühstück zu genießen.
Jetzt
ging´s weiter nach Nimbin. Die Landschaft hatte sich schon wieder
sehr verändert und wir fuhren inmitten von Regenwald. Landschaftlich
ganz großes Kino. Nimbin musste etwas oberhalb liegen, denn wir
zirkelten uns serpentinenartig eine, meines Erachtens, viel zu
schmale Straße den Berg hoch. Oben in Nimbin angekommen, erwartete
uns ein scheinbar in den 68ern hängen gebliebenes Nest. Ich geh ja
auch gerne gegen den Strom und mag´s bunt, aber für meinen
Geschmack war das hier irgendwie dann doch "too much".
Alles wirkte ein wenig schmuddelig und übertrieben "locker".
Dabei versprühte die kleine Stadt aber irgendwie keine Atmosphäre.
Auf mich sprang der Funke jedoch nicht über und wenn Müscha vor
Begeisterung durchdrehte, dann hätte er es spätestens jetzt seinem
Gesicht sagen sollen.
Wir
stellten Fucy ab und drehten eine Runde die Hauptstraße hoch und
wieder runter. Aber außer, dass uns Dope angeboten wurde, passierte
hier irgendwie so richtig nichts. Es schien als hätte sich Nimbin
ein wenig den Charme weggekifft. Tja, so war das ein relativ kurzes
Intermezzo, denn wir stiegen nach zehn Minuten wieder ins Auto und
zuckelten weiter nach Byron Bay.
Wie
vorher bereits erwähnt, hatten wir uns ja einen Berg hoch gekämpft,
so konnten wir uns jetzt wieder runter rollen lassen. Und das taten
wir im Wahrsten Sinne des Wortes. Da eine Senke der nächsten folgte,
hatten wir genau den richtigen Schwung, um den nächsten Hügel hoch
zu sausen, um dann oben wieder ordentlich Fahrt drauf zu bekommen.
Super, so macht Autofahren Spaß und wenn man dann noch so eine
herrliche Landschaft hat doppelt schön.
Am
späten Nachmittag landeten wir in Byron Bay und hier war es ganz
schön voll. Überall wuselten Menschen herum und es gab kaum ein
freies Plätzchen, egal ob auf den Straßen oder am Strand. Als wir
nach langem Suchen einen Parkplatz gefunden hatten, schlenderten wir
ein wenig an der Strandpromenade lang. In einem Restaurant am Strand
fand grade eine Hochzeit statt und es war lustig zu sehen, dass Flip
Flops in Australien auch hochzeitstauglich sind. Viele der Gäste,
hauptsächlich jedoch Männer, trugen echt ihre "Badelatschen"
sehr lässig zum Anzug. Sah wirklich gut aus.
Wir
setzten uns auf die Wiese und guckten der Hochzeitsgesellschaft ein
wenig vom Weiten zu. Da hatte sich das Paar eine wirklich schöne
Location ausgesucht. Leider schien die Party davon trotzdem nicht
richtig in Fahrt zu kommen, denn irgendwie standen alle nur etwas
gelangweilt in der Gegend umher. Außer einer ziemlich betrunkenen
Brautjungfrau, die sich völlig daneben benahm und immer wieder
kreischte, hatte von den anderen wohl keiner so richtig Spaß.
Die
Stimmung in unseren Herzen sah aber auch nicht grade rosig aus. Noch
drei Nächte in unserem Camper und dann hieß es "Ade". Ich
bekam derweil Hunger und wollte schon etwas früher einen Schlafplatz
suchen. In Byron Bay konnten wir ja schlecht stehen bleiben.
Schließlich wussten wir ja aus Erfahrung, dass mit den ansässigen
Rangern nicht zu spaßen war und die besonders hart waren. 2009
hatten wir mit ihnen schon Bekanntschaft schließen dürfen und
konnten gut und gerne auf ein Wiedersehen verzichten.
Leider
gestaltete sich die Suche als etwas schwierig und wir mussten mit
einer Rest Area am Highway vorlieb nehmen. Zwar hatten wir schon
schlechter geschlafen, aber hier war´s eben nicht so lauschig. Nach
einem Happerchen und ein wenig Videogegucke ging´s auch schon ins
Bette und wir beide machten die Augen zu.
08/01/2012
SONNTAG
Nach
ein paar Stunden Schlaf am romantischen Highway hüpften wir gegen
4.30 Uhr aus den Federn, um am östliches Punkt in Byron Bay am
Leuchtturm einen letzten Sonnenaufgang zu erleben.
Auch
wenn wir wenig Schlaf intus hatten, ging das mit dem Aufstehen
relativ schnell. Naja, die Motivation, die uns antrieb, war ja auch
leicht zu durchschauen. Genau, es würde das letzte Mal am Meer einen
Sonnenaufgang für uns geben. Jedenfalls in Australien.
Gegen
5.00 Uhr ritten wir in Byron Bay ein und hielten erst einmal bei der
leckeren Byron Bay Bäckerei an. Bei dieser hatte ich mich mit ein
paar Freunden schon 2009 nach einer durchzechten Nacht zu Catis
Geburtstag (ein damaliger Housemate aus Brisbane), eingefunden und
gestärkt. Sehr lecker. Ich nahm ein saftiges, knitschiges Käse,
Schinken Teigteilchen (sehr lecker, yummi) und Müscha nahm einen
Rindfleisch Kartoffelbrei Pie. Einen so riesigen Pie hatte ich lange
nicht mehr gesehen. Also eine super Größe für Nimmersatt Müscha.
Dann
fuhren wir zum Leuchtturm. Komischerweise standen in der Stadt total
viele Camper rum, was uns irgendwie verwunderte. War der Ranger seine
Runde noch nicht abgefahren oder haben sich die Regeln hier so stark
verändert und hier herrscht wohl nicht mehr "Zucht und
Ordnung"? Kurzweilig überlegten wir, ob wir nicht Ranger
spielen sollten, um uns die Urlaubskasse etwas aufzubessern oder
einfach nur, um uns zu amüsieren und in verschlafene Gesichter zu
blicken.
Familie
Schmautz hatte jedoch Mitleid und so ließen wir dem Rangern den
Vortritt. Spätestens gegen 6.00 Uhr würde hier kein einziges Auto
mehr parken.
Auch
am Leuchtturm standen so viele Camper, so das wir die letzte
Parktasche erwischten. Mensch was war denn hier los? Komisch. Weil
wir noch ein wenig Zeit bis zum Sonnenszenario hatten, machten wir
uns über unser Frühstück her. Soll ja die wichtigste Mahlzeit am
Tag sein...hab ich gehört. Besonders morgens um kurz nach 5.00 Uhr
ein schönes sapfiges, fettiges Teigteilchen oder ein
buttertriefender Pie, so etwas soll besonders gesund sein. Hab ich
aber wie gesagt nur gehört. Den Pie konnte ich grade noch einmal
angucken, kurz kosten und "Tschüss" sagen, als Müscha das
Riesenvieh in weniger als einer Minute "einatmete". Uiuiui!
Während ich genauso bedachtsam und langsam vor mich hin mümmelte
wie wir unsere Errungenschaften bestellt und gekauft hatten, happste
Müscha seinen Pie in maximal drei Atemzügen weg.
Als
ich meinte: „Mensch Müscha, genieß das doch ein bisschen!???“
Meinte Müscha nur, dass er sich doch schon Zeit gelassen hätte. Und
als er sah, dass ich die Hälfte meines Teilchens wieder in die Tüte
zurück tat, um später noch etwas zum freuen zu haben, ergänzte
Müscha seinen Satz mit: „Ja, und die kleine Streber Lane aus der
1b hebt sich natürlich noch etwas für später auf, ist klar.“
Pfe,
Streber Lane, pah, ich freu mich nachher umso mehr darüber.
Unterdessen
fuhren immer mehr Autos vor. Sicherlich mit einer ähnlichen Absicht
wie wir. Nein nicht Pie-Wettessen, natürlich Sonne gucken. Leider
suchten sie vergeblich nach Parkplätzen und das Verhalten der
Camper, die hier übernachteten und die Parkplätze belegten, empfand
ich schon als sehr dreist. Hier sei bemerkt, dass wir uns immer
benehmen und uns bei unserer Schlafplatzauswahl sehr unauffällig
verhalten und versuchen niemanden zu stören.
Müscha
und ich stiefelten jetzt aber auch erst einmal los. Und da strahlte
er uns an, der schöne, weiße, blinkende Leuchtturm. Auch wenn es
mittlerweile schon dämmerte, sah man die sich drehende strahlende
Lampe scheinen. Ich glaube, der Leuchtturm von Byron Bay ist mit
einer der schönsten Leuchttürme, die ich hier in Australien gesehen
habe. Außerdem hat man ein herrlichen Blick vom Plateau auf´s Meer
hinaus. Einfach atemberaubend und zugleich sehr beruhigend. Und der
sich anschließende kleine Track bis zu den Felsen und runter zum
Meer ist auch schön. Hier schließt sich ein kleines Wäldchen an,
so dass eine Vielzahl von Tieren an diesem Ort ihr zu Hause gefunden
haben. 2009 hatte ich hier mein erstes Wallaby, so eine Art Känguru,
gesehen und mein heiß geliebter "Elektrovogel" stellte
sich mir vor. Vor der Küste kann man zur richtigen Zeit auch super
Wale beobachten. Rundum ist das hier ein wirklich schöner Ort.
Schon
2009 hatten wir dank Ranger (er hämmerte uns damals gegen 5.00 Uhr
aus den Federn) einen wunderschönen Sonnenaufgang miterleben dürfen.
Heute war es jedoch ziemlich bedeckt, dass entweder noch ein heftiger
Wind die Wolken durchpusten müsste, damit wir etwas erblicken würden
oder wir einen Rötgenblick benötigten.
Leider
blieb beides aus, so dass nur ein winziges Loch Durchblick auf die
aufsteigende Sonne gewährte. Leider blieb es auch dabei und der "Aha
Effekt" blieb bedauerlicherweise aus. Für die anderen
Sonnenanbeter sicherlich weitaus tragischer als für uns, denn die
hatten auf jeden Fall was verpasst. Naja, man kann nicht immer Glück
haben.
Auch
wenn sich die Sonne hinter den Wolken versteckte, genossen wir den
Blick von hier oben und wagten noch ein Tänzen. Danach fuhren wir
zum Main Beach zurück. Zu unserer Verwunderung standen noch immer
überall schlafende Camper auf den Straßen. Komisch mittlerweile
sollte doch der Ranger seine Runde gemacht haben. Wir stellten die
These auf, dass es vielleicht Saisonabhängig ist und je nachdem wie
die Caravanplätze ausgebucht sind oder nicht, die Leute hier
kontrollieren. Vielleicht war 2009 einfach die Auslastung auf den
Campingplätzen zu gering, so dass die Ranger dazu angehalten wurden,
den Touristen Angst einzujagen, so dass sie sich dann auf den
Campingplätzen einfinden. Und vielleicht war jetzt alles ausgebucht
und es gab gar keine andere Möglichkeit als auf der "Straße"
zu schlafen? Naja wer weiß. Wir waren auf jeden Fall umsonst aus
Byron Bay gefahren und hätten uns auch gelassen dazu stellen können.
Oberhalb
des Strandes an einem Tisch, machten wir es uns jetzt mit einem
Kaffee gemütlich. Herrlich wie ruhig es noch war. Die aufsteigende
Sonne, das Meer und eine tolle Stimmung. Byron Bay ist wirklich immer
wieder einen Besuch wert.
Während
wir unseren Kaffee schlürften, schrieben wir Karten und neben uns
füllte sich alles mit Menschen. Viele Australier, die ihren
sportlichen Aktivitäten nach kamen. Ob paddeln, Kanufahren,
schwimmen oder joggen. Hier wird Gemeinschaft noch groß geschrieben
und die Leute nutzen den Sonntag richtig aus. Naja bei dem Wetter
kein Wunder.
Am
Vormittag bummelten wir noch einmal durch die Stadt und gingen von
einem Laden zum nächsten. Auf dem Rückweg trafen wir Juzzie Smith,
der mit seiner Ein-Mann-Kombo ordentlich für Stimmung sorgte. Ein
total cooler Typ, der auf jeden Fall Rhythmus im Blut hatte. Aber
nicht nur das, er war auch ein großartiger Entertainer. Großartig.
Schnell bildete sich eine kleine Traube von Menschen um ihn herum und
wir hatten was zum gucken. Einfach nur toll.
Leider
muss man ja gehen, wenn´s am Schönsten ist. Und auch wenn wir hier
noch ewig verweilen konnten, wir mussten jetzt Abschied nehmen und
wir steuerten ein neues Ziel an.
Ganz
in der Nähe war das aus Funk und Fernsehen bekannte Dschungelcamp
ansässig. Und wir dachten uns, wenn wir schon mal hier sind, dann
können wir doch gleich einmal vorbei schauen. Vielleicht brauchten
sie ja noch zwei kaputte Typen. Gesagt getan, also ging´s jetzt nach
einer Fahrt durch den Regenwald ins Camp. Und wer hätte es gedacht,
auf einmal standen wir vor den Toren und uns heißte eine Mannschaft
von Securitypersonal willkommen. Und folgende Konversation entfachte.
Müscha
sehr fröhlich: Hey Mate!
Security
angespannt und böse drein guckend: You know you are at the wrong
place!
Müscha
total von sich überzeugt und mit Nachdruck: No!
Security
zu Müscha blickend: Your Name?
Müscha:
Ingo!
Security
mich fragend: Your name?
Ich:
Bianca!
Müscha:
And together we are Bingo, nice, isn´t it? (Grins)
Ein
wenig überfordert schaute uns das Riesenbaby an und wusste scheinbar
nichts mit uns anzufangen. Dummerweise hatten wir verpeilt unsere
Kamera einzuschalten, dann hätten wir eine wirklich schöne
Konversation aufgenommen. Herrlich.
Security:
Please turn your car and go back!
Müscha:
Okay!
Eigentlich
fraglich, warum hier so viel Security ist. Hier werden ja wohl nicht
alle Tage zwei Bekloppte vorbei kommen und mal „Hallo sagen“
wollen! Und diese Z-Promis haben´s doch auch nicht nötig. Naja, die
Filmindustrie sagt zwar immer es geht ihr schlecht, dieser hier wohl
scheinbar nicht. Denn dann würden die sich doch nicht so abschotten.
Wer
selbst mal mit dem Riesenbaby sprechen will, kann sich auf den Weg
nach Murwillumbah in der Nähe von Tweed Heads machen. Dann einfach
mal in die Touristeninformation gehen und nachfragen, wo sich das
Dschungelcamp befindet. Ein Schmunzeln dafür kassieren und sich dann
den Weg erklären lassen. Die geben einem gerne Auskunft, wenn man
nett fragt. Wer sich das nicht traut, schreibt mir einfach eine
Email. Gegen Endgebühr versteht sich, gibt’s die heiße Info auch
von mir. ;-) Muahhh!!!
Auf
jeden Fall können wir mit Gerüchten aufräumen, dass die Autobahn
in der Nähe ist und dass man die im Camp hört. Dann müssten einige
echt gute Ohrkanäle haben oder schon vor Hunger halluzinieren.:-)
Das Camp liegt mitten im Busch, in einer echt schönen Landschaft.
Und hätten wir uns nicht hierher aufgemacht, wären wir jetzt nicht
um tolle Südfrüchte reicher. Eine saftige Melone, Bananen und
Passionsfrüchte für insgesamt 5 Dollar. Cool.
Nach
unserem kleinen Besuch fuhren wir nach Tweed Heads, um uns im
nächsten Outdoorladen mit Equipment einzudecken, um uns dann durch
den Dschungel über die Nordflanke ins Camp durchzuschlagen. Wär´
doch gelacht, wenn wir das Riesenbaby nicht umgehen könnten und uns
auf anderen Wegen Zugang verschaffen.
Natürlich
haben wir das nicht gemacht. Trotzdem sind wir Richtung Gold Coast
nach Tweed Heads und weiter nach Coolangatta, um uns von dem Erlebnis
erst einmal zu erholen. Direkt am Strand legten wir ein Päuschen ein
und hielten ein ausgiebiges Kaffeekränzchen.
Immer
öfter werden wir dieser Tage nachdenklich und blicken wehmütig
auf´s Meer hinaus. Nur noch zwei Nächte im Fucy und dann würden
wir unser Häuschen auf Rädern in die Hände von Britz Camper
zurückgeben müssen. Aber bis dahin waren es ja nun noch ein paar
Stunden. Also nicht rumheulen, sondern lieber die letzte Zeit
ausgiebig genießen. Außerdem würden wir ja dann nicht gleich
wieder zu Hause sein, sondern noch eine Woche Brisbane "unsicher
machen".
Bis
dahin war nun aber noch ein wenig Zeit und wir schauten uns die Route
nach Brisbane an. Mittlerweile waren es gerade einmal 100 Kilometer.
Auf dem Weg dorthin hatten wir noch einen kleinen National Park
entdeckt. Dieser würde zwar einen kleinen Umweg bedeuten, aber die
paar Kilometer mehr machten den Kohl jetzt auch nicht mehr fett.
Bevor
es dort hin ging, wollten wir aber noch ein paar Surfer mit der
Kamera einfangen. Leider war das gar nicht so einfach, denn obwohl
das hier eine Hochburg für Surfer ist, trieben die sich offenbar
überall rum, nur nicht im Wasser von Coolangatta oder Burleigh
Heads. Am Point Danger, der gleichzeitig auch die Grenze zwischen New
South Wales und Queensland bildet (siehe Bild – die Mündung formt
die natürliche Grenze), fanden wir dann doch eine Hand voll Surfer.
Leider trieben die nur gelangweilt auf dem Wasser umher, so dass das
für ein Foto leider nicht reichte.
Auf
dem Weg zurück zum Highway kamen wir an einem Springbrunnen vorbei
und offensichtlich hatte jemand meine
"Ich-schütte-irgendwann-einmal-ein-
bisschen-Waschpulver-in-den-Straussberger-Platz-Springbrinnunen-Idee"
geklaut. Schnell hielten wir an, um das mit der Kamera einzufangen.
Wer will schon langweilige Surfer, die auf Wellen warten.
Waschpulver, was aus dem Brunnen als große Schaummassen ausgespuckt
wird, ist doch viel faszinierender. Zwei kleine Kinder machten sich
schon einen Spaß daraus, in dem Schaum umherzutollen. Klar, da
durfte die "kleine" Lane nicht fehlen.
Der
Schaum sah fast aus wie Schnee und flog durch die Luft. Als wir drei
"Kinder" da so umher tobten, kamen auf einmal immer mehr
Leute. Und auch wenn die Sache an für sich "eigentlich"
nicht lustig ist, hatten alle Herumstehenden ihre Freude daran. „Denn
liebe Kinder lasst Euch sagen, Waschpulver in einen Springbrunnen
werfen, das gibt Klagen. Das Wasser wird verunreinigt, die Umwelt
gequält und allein der Witzbold, der freut sich.“ Na jut, die Lane
vielleicht auch, ein ganz kleines Bisschen. ;-)
Nun
ging´s aber wirklich weiter und wir fuhren in den Springbrook
National Park. Die Straße war mal wieder ganz hervorragend und uns
schaukelte es hin und her, so dass wir gut geschüttelt, nein nicht
gerührt, ca. 20 Kilometer vor dem Ziel eine Rest Area fanden. Ganz
schön dunkel war´s hier. Und dank der herum fauchenden Possums auch
ziemlich spuky.
Der
National Park lag auf jeden Fall mitten im Regenwald und schon jetzt
bemerkten wir, dass wir uns eine Serpentinenartige Straße hoch
schlängelten. Da kann man nur gespannt sein, was uns da morgen
erwartet. Vorerst fauchten wir uns aber noch ein wenig mit dem Possum
an und verschwanden dann etwas eingeschüchtert im Bettchen.
Morgen
würde dann der letzte Ausflug mit unserem Camper sein. Schon ein
komisches Gefühl.
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